Kuba

Jetzt sind wir zwar schon einige Wochen wieder in Deutschland und haben uns schon wieder sehr gut in Deutschland eingewöhnt, aber den letzten Reisebericht wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten. Die letzten beiden Wochen unserer Reise waren in vielerlei Hinsicht anders als die Monate davor, was daran lag, dass in Kuba der Sozialismus nicht nur Fassade ist und viele Dinge anders laufen als sonst. Auf Kuba findet man sich nicht nur in einer anderen Kultur wieder, sondern auch in einer anderen Zeit. Bei der Ankunft am Flughafen in Havanna mussten wir feststellen, dass es nur einen einzigen Geldautomaten gibt, der zum Glück gerade Geld vorrätig hatte (was bei der Abreise nicht der Fall war). In Kuba gibt es zwei verschiedene Währungen, eine für Einheimische und eine für Touristen – das erste Novum für uns. Als Tourist mit der Einheimischen-Währung in Kontakt zu kommen ist nicht so einfach und auch nicht gewollt, denn diese ist praktisch nichts Wert. Folglich könnte man damit auch nicht viel Geld ausgeben. Ein Kubaner verdient im Monat 30-40 Euro – dementsprechend wenig kosten Konsumgüter. Für die Touristen liegt das Preisniveau hingegen nur knapp deutschen Verhältnissen, weshalb die Arbeit mit Touristen für Kubaner sehr lukrativ ist.

Die

Die „Skyline“ von Havanna

Aber mal von vorne: Nach unserer Landung in Havanna sind wir mit dem Taxi ca. 45 Minuten in die Stadt gefahren bis zu unserem Casa Particular, d.h. eine staatlich lizensierte Privatunterkunft in der Wohnung einer Familie. Leider wurde unser Klingeln nicht erhört, dafür kam ein hilfsbereiter Nachbar, ließ uns ins Haus und vermittelte uns an einen anderen Nachbarn, der noch ein Zimmer frei hatte. Offensichtlich war unsere Reservierung aufgrund des schlechten Internets noch nicht angekommen. Aber egal – wir hatten ein wirklich schönes Zimmer in einem Altbau mit eigenem Bad und Frühstück. Unser Gastgeber Mandy (ein Mann!) lebte dort allein und sein Tagesinhalt bestand darin Besuch zu empfangen und mit den Nachbarn rumzuhängen. Eine Übernachtung kostet 25 Dollar – soviel wie ein ganzes Monatsgehalt eines Kubaners. Arbeiten ist mit so einer Einnahmequelle also ziemlich unnötig. Havanna ist wirklich eine wunderschöne Stadt mit unzähligen Altbauten, die allerdings kurz vor dem Zerfall stehen. Jedes zweite Auto ist eines des berühmten alten amerikanischen Straßenkreuzer. Alles was man aus einer westlichen Großstadt gewöhnt ist, sucht man vergeblich – es gibt weder schicke Läden, Shopping Malls, hippe Cafés, Autohäuser, Supermärkte und vor allem keine Werbung. Als mir die Abwesenheit von Werbung nach ein paar Tagen auffiel, bemerkte ich, dass sie einem nicht nur nicht fehlt – man fühlt sich regelrecht befreit ohne die ständige Aufforderung zum Konsum tausender Dinge, die man ohnehin nicht braucht. Ohne die ständige Aufforderung irgendwas zu kaufen konnten wir uns ganz auf die Stadt und ihre Menschen konzentrieren. Die sozialistische Marktwirtschaft hat aber auch den Nachteil, dass wir manchmal eine halbe Stunde nach einer Flasche Wasser oder einem annehmbaren Restaurant suchen mussten – eine Situation, die wir noch in keinem Land erlebt haben, die uns aber einen Eindruck davon vermittelt hat, wie die Kubaner ihren Alltag erleben.

Havanna

Havanna

In Havanna gibt es einige Kirchen, Festungen und Pläze zu besichtigen, der eigentliche Charme geht aber von den unzähligen Kolonialgebäuden aus und natürlich von der Lebensfreude der Kubaner. Diese lassen sich die Menschen trotz der schwierigen Bedingungen, unter denen sie leben, nicht vermiesen und helfen sich gegenseitig so gut sie können. Geht man die Straße entlang, stehen meist die Türen offen und man sitzt mit seinen Nachbarn und Freunden im Wohnzimmer oder vor der Tür und verbringt seine Zeit zusammen. Was man aber nicht vergessen darf ist, dass den Menschen wegen des Mangels an Internet, Handys, Computern, Geld im Allgemeinen und Freizeit- und Reisemöglichkeiten auch nicht viel anderes übrig bleibt. Sobald es übrigens an die Verhandlungen über den Preis für eine Taxifahrt geht, ist es mit der sozialistischen Einstellung ganz schnell vorbei und die Dollarzeichen leuchten in den Augen der Menschen wie in jedem anderen Land auch. Durch Zufall konnten wir ein beeindruckendes Lichtschauspiel beobachten, ein sog. 22° Halo, das aussieht wie ein Regenbogen um die Sonne: P1070622Nach drei Tagen Sightseeing in Havanna machten wir uns auf den Weg nach Cienfuegos, einer kleinen Stadt im Süden des Landes. Hier schien die Zeit noch mehr stehen geblieben zu sein als in Havanna, denn hier sind Pferdekutschen das häufigste Transportmittel, es gibt ein einziges Internetcafé und nach WLAN braucht man gar nicht erst zu fragen.

Freizeitgestaltung noch ganz analog

Freizeitgestaltung noch ganz analog

Die nächsten drei Tage verbrachten wir in Playa Giron in der Schweinebucht mit in der Sonne rumliegen und Tauchen und Cuba Libre trinken mit unseren neuen Freunden aus Neuseeland, Deutschland und Kanada, die wir beim Tauchen kennengelernt haben. Reisen ist in Kuba wie alles andere etwas schwieriger als sonst. Weil es kaum Internet gibt (in den Casa Particulares schon gar nicht), kann man sich nicht im Internet oder Foren informieren wie man irgendwo hinkommt oder was man unternehmen kann. Es gibt nur eine (staatliche) Busgesellschaft für Touristen und um die Abfahrtszeiten herauszufinden muss man einen Tag vorher zum Busbahnhof fahren, die Mitarbeiter fragen und am besten schonmal ein Ticket kaufen. Die nächste Unterkunft lässt man sich entweder in seinem aktuellen Casa buchen (die kennen immer überall jemanden), fragt den Taxifahrer oder läuft durch die Straßen und klingelt irgendwo, wo das Symbol für Casa Particulares an der Tür hängt. Wir haben alle Varianten ausprobiert und immer nur gute Erfahrungen gemacht.

Felix & Julian

Felix & Julian

Wieder zurück in Cienfuegos, ist der Bruder von Felix zu uns gestoßen und hat uns für den Rest der Reise begleitet. Einen Tag später sind wir mit dem Taxi in die schöne kleine Kolonialstadt Trinidad gefahren und haben uns zum ersten Mal einen klassischen Salsaabend zu Gemüte geführt. Das heißt ein paar kubanische Pärchen tanzen und die Touris schauen zu und bestellen sich Cuba Libre und natürlich spielt eine Liveband. In Trinidad wollten wir eigentlich eine Wanderung durch die nahegelegenen Berge machen und haben uns dazu ein Taxi bestellt, welches sich als schrottreifer Lada entpuppte, der es immerhin fast immer den Berg hoch schaffte. Außer einmal, aber man kann sich ja auch wieder rückwärts runterrollen lassen und es nochmal versuchen. Als Ausflugsziel hatten wir uns einen Wasserfall ausgesucht, für den wir dann aber 8 Euro bezahlen sollten und deswegen lieber den Rückweg angetreten haben. Außerdem sollten wir für die 1,5km lange Strecke noch einen Guide mitnehmen, weil der Weg so schwierig zu finden und nicht ausgeschildert sei – was sich als unwahr herausgestellt hat. Aber zum Glück haben wir die Finte gerochen und sind alleine losgezogen.

Das

Das „Auto“

Nach zwei Tagen ging es mit dem Bus weiter nach Varadero, ein Strandparadies östlich von Havanna, das ausschließlich ausländischen Touristen vorbehalten ist. Hier gibt es den weißesten Strand und das blauste Meer, das wir auf unserer gesamten Reise gesehen haben. Zwischen Strand und Cuba Libra war noch ein bisschen Zeit für Tauchen, Geocachen und … hatte ich schon Cuba Libre erwähnt?

Das ist keine Postkarte!

Chillen am Strand von Varadero

Nach diesem entspannten Abschluss unserer Kuba-Reise haben wir uns wieder auf den Weg nach Havanna gemacht um unser Flugzeug Richtung Europa zu erwischen. Damit ging nach fast genau 250 Tagen ganz unspektakulär unsere Weltreise zu Ende.

Che ist dein ständiger Begleiter in Kuba

Che ist dein ständiger Begleiter in Kuba

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Rasten und Reisen

Hallo liebe Lesergemeinde, nun sind wir schon wieder in Europa, aber haben wohl noch den ein oder anderen Reisebericht nachzuholen um diesen Blog ohne Lücken abzuschließen.
Nach unserer Reise durch Guatemala sind wir an einem regnerischen Morgen per Boot von Livingston – welches übrigens keine Straßenverbindung nach außen besitzt, obwohl es auf dem Festland ist – nach Puerto Barrios aufgebrochen, von dort aus mit einem Minibus nach La Ceiba (Honduras) um dann mit der Fähre auf die Backpackerinsel Útila. Diese Reise haben wir mit 2 Leuten aus unserem Hostel, wo wir die Reise gebucht hatten, und 2 weiteren Deutschen bestritten, die wir im Minibus kennen lernten. Auf Útila verbrachten wir die ersten Tage mit unserem in letzter Zeit üblichen Nixtun und Ausruhen von der langen anstrengenden Reise, immerhin waren es wieder um die 13 Stunden Boot-Bus-Boot. Danach verfolgten wir aber doch unseren Plan und gingen zur Tauchschule, wo wir uns kurzfristig dazu entschlossen unseren Advanced-Open-Water-Diver zu machen. Wir verbrachten also die nächsten 3 Tage mit Theorie und Praxis. Das heißt das Lehrbuch studieren und einen Fragebogen beantworten, der dann mit unserer Gruppe und unserem französischen Tauchlehrer zusammen besprochen wurden. Inhalt des Kurses war ein Tauchgang zu einem Schiffswrack, was eigens für Tauchzwecke versenkt wurde. Weiterhin war ein Tauchgang mit bis zu 35m Tiefe dabei, den wir an einer Steilwand machten. So tief unter Wasser kann einen die sog. Stickstoffnarkose erwischen, die einen euphorisch werden und etwas langsamer denken lässt. Um zu erfahren wie langsam man wird haben wir einen Schnelligkeitstest mit Zahlen über und unter Wasser gemacht um zu sehen, wie dies unsere Fähigkeiten beeinträchtigt (Ergebnis: wir waren um die Hälfte langsamer). Zum Schluss zeigte unser Tauchlehrer eine leere Plastikflasche, die durch den Druck in der Tiefe komplett zusammen gedrückt war. Diese Flasche füllte er unter Wasser wieder mit Luft und ließ sie zurück an der Oberfläche ‚explodieren‘ durch simples Öffnen. Zudem gab es noch Koordinationsübungen mit dem Kompass sowie Übungen und Spielchen zur Kontrolle und Training der sogenannten ‚Buoyancy‘ oder auch Auftrieb. Zum Abschluss des Kurses gab es am letzten Tag noch einen Nachttauchgang, wo wir in der Dämmerung mit dem Boot rausgefahren sind und nur mit einer Taschenlampe bewaffnet in die Tiefe des Meeres abgetaucht sind um Kraken, Flundern, Krebse und Fische bei der Nachtruhe zu beobachten.

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Gleich geht's ab in die Tiefe

Nach dem Nachttauchgang wurde unser bestandenes Taucherzertifikat mit unseren ,Mitschülern‘ gefeiert. Zum Glück ist direkt neben der Tauchschule eine der am meisten frequentierten Bars der Insel, in der wir uns danach niedergelassen haben und ein paar Biere zu uns nahmen (für Anne natürlich Rum Cola, denn Bier ist immer noch nicht ihr Freund). Da waren also ein Australier und ein Engländer und später noch ein paar Amerikanerinnen, mit denen wir uns über das Backpackerleben austauschten. Die zweite Hälfte des Abends verbrachten wir bei weiteren Cuba Libres in der Nachbarbar, bis die Musik aus- und die Sonne langsam aufging.

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Unser hoteleigener Steg

Bei Útila handelt es sich noch um eine wirkliche Backpackerinsel, auf der es so gut wie keine Familien oder Pauschalurlauber gibt und auch keine Hotelanlagen, sondern nur kleine Pensionen. Das wird vermutlich auch so bleiben, denn mehr als Tauchen und Party hat die Insel nicht zu bieten. Sie hat zudem den Ruf, dass die Leute hierherkommen und dann hängenbleiben. So ist es auch uns ergangen. Durch die familiäre Atmosphäre in der Tauchschule hatten wir die ganze Zeit die gleichen Leute um uns und konnten nicht mehr die Dorfstraße entlanglaufen ohne auf bekannte Gesichter zu treffen. So verbrachten wir unsere Tage mit Tauchen oder Chillen und die Abende mit unseren neugewonnenen Freunden in den drei Bars der Insel. Ein Highlight war noch ein Nachmittagsausflug zu einer kleinen traumhaften unbewohnten Insel mit Palmen und Hängematten. Nach 10 Tagen auf Útila haben wir aber dann doch den Absprung geschafft. Nach der Spanischschule in Puebla war dies unser zweitlängster Aufenthalt an einem Ort. Vor allem war es schön mal wieder eine längere Zeit mit den gleichen Menschen umgeben zu sein.

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Chillen auf der unbewohnten Miniinsel Water Caye

Auf nach Panama:
Alles hat eine Ende und so fuhren wir etwas bedrückt von der Insel und machten uns auf den Weg nach Nicaragua an die Pazifikküste um dort surfen zu lernen. Es gab zwei Wege, einer mit einem Tourishuttle, sprich Minibus von La Ceiba direkt nach León oder als erstes mit dem Bus von La Ceiba nach Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras, dort eine Nacht schlafen und am nächsten Tag weiter nach Nicaragua. Da wir aber keine Lust hatten auf 15 Stunden Minibus und es nicht eilig hatten, haben wir uns für die Option mit einer Nacht in Tegucigalpa entschieden. Tegucigalpa ist wie alle Hauptstädte Zentralamerikas für Gringos -Weiße- vor allem in der Nacht ziemlich gefährlich. Also raus aus dem Bus, rein ins Taxi und zum Hotel. Am nächsten Tag sind wir dann wieder zum Busbahnhof gefahren und weiter nach Nicaragua, erst nach León und von da aus in den verschlafenen kleinen Strandort Las Peñitas. Dort erinnerte es einen irgendwie an ein brandenburgisches Dorf, überall Sand, verlassene Häuser und keine Menschenseele auf der Straße. Hier verbrachten wir 3 Tage mit so ziemlich nix, was heißt lesen, baden und Internet. Den Surfkurs hab ich dann hier doch nicht gemacht und anstatt dessen mir nur ein Bodyboard ausgeliehen um in den Wellen ein wenig Spaß zu haben.

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Mal wieder relaxen...

Dann ging es auch schon wieder weiter auf einen sehr abenteuerlichen Ritt auf die Insel Ometepe in Nicaragua. Diese Reise sah in etwa so aus: Bus, Taxi (León); Bus, Taxi (Managua); Bus, Taxi (Rivas); Fähre, Bus und dann waren wir auch schon auf der Insel Ometepe -mit seinen 2 Vulkanen- in dem kleinen Ort Altagracia. Diese Fahrt war wohl für uns die abwechslungsreichste und abenteuerlichste, hat uns 11 Euro pro Person gekostet und 11 Stunden gedauert. Auf Ometepe haben wir 3 Tage verbracht und unsere Aktivitäten beschränkten sich mal wieder auf das übliche, also Essen, lesen, chillen und  spazieren gehen. Eigentlich wollten wir auf einen der beiden Vulkane hoch, aber da unser Guide an dem vereinbarten Morgen nicht um 5:30 Uhr, sondern erst gegen 8 aufschlug, nachdem unser Hotelmanager ihn aus dem Bett geholt hatte, sind wir dann nur zu einer Art Waldbad gefahren und haben uns dort erholt.

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Diesen Vulkan haben wir dann doch nicht bestiegen

Die weitere Reise mit dem großen Ziel Panama näherte sich dem Ende, aber nach Ometepe machten wir noch ein paar Tage halt in der Haupstadt Costa Ricas, San Jose. Hier besuchten wir ein sehr kleines Museum für Zeitgenössische Kunst, wo wir Alex wieder trafen, die wir in Guatemala kennen gelernt hatten. Die letzte Etappe bis nach Panama City legten wir dann in einer 21stündigen Busfahrt zurück. Der Grenzübertritt nach Panama war ziemlich zeitraubend (zwei Stunden), danach erwartete uns allerdings die Nachricht, dass Demonstranten die Brücke vor uns besetzt halten und diese erst in vier Stunden geräumt wird. Aber derartige Vorfälle kennen wir ja schon und haben uns deshalb nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Panama City hat einige schöne alte Viertel, Kirchen, Museen und Plazas. Die größte Attraktion ist aber zweifellos der Panamakanal, dem wir natürlich auch einen Besuch abstatteten. Für „nur“ 15 Dollar kann man von einer Besucherplattform aus den Schiffen beim Durchqueren einer Schleuse zusehen. Das Ganze wird live von einem Mitarbeiter auf Spanisch und Englisch kommentiert wie in einem Fußballspiel. Wir hatten die Gelegenheit drei Öltanker zu beobachten, wie sie von vier Lokomotiven in die erste Kammer gezogen wurden. Dann wird das Wasser abgelassen (ca. 10m) und schließlich werden die Schiffe in die zweite Kammer gezogen, wo sie nochmals um 10m abgesenkt werden. Dann werden sie wieder „in die Freiheit entlassen“. Für ein vollbeladenes Containerschiff kostet es übrigens um die 450.000 Dollar den Panamakanal zu durchqueren.

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Das Schiff wird von den 4 Lokomotiven in die Schleuse gezogen...

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... dann wird der Wasserspiegel abgesenkt

Nachdem wir durch die letzten Länder mehr oder weniger hektisch hindurchgerauscht sind waren wir in Panama City ziemlich erschöpft und hatten mit einer zunehmenden Reisemüdigkeit zu kämpfen. Das immer näher rückende Ende unserer Reise tat da ihr übriges. Aber jetzt wartete noch die allerletzte Etappe auf uns: zwei Wochen auf Kuba. Aber davon erzählen wir euch im nächsten Beitrag.

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Guatemala

Nach unserem kurzen Abstecher in die Karibik erwartete uns hinter der Grenze von Belize wieder unsere vertraute Latinowelt. Guatemala ist der mexikanischen Kultur sehr ähnlich, ist aber viel weniger entwickelt und damit noch nicht so verwestlicht. Viele der Annehmlichkeiten, die wir in Mexiko zu schätzen gelernt haben, waren auf einmal wieder verschwunden, wie etwa ein zuverlässiges Fernbusnetz. Nachdem wir mit dem Taxi das relativ kurze Stück von San Ignacio zur Grenze gefahren waren, erwartete uns der bisher unkomplizierteste Grenzübergang unserer Reise. Keine Schlange, keine großen Formalitäten, kein Geld bezahlen, einfach nur Stempel holen und durchlaufen. Zum Glück haben wir an der Grenze bei den dort herumlungernden Geldwechslern ein paar Dollars in die lokale Währung Quetzales getauscht, denn in Guatemala ist es nicht so einfach einen Geldautomaten zu finden. So hat unser Geld gerade so für den Bus und etwas zu essen gereicht. In Guatemala angekommen, wurden wir gleich angesprochen wo wir hinwollen und wurden dann bis zum Busbahnhof begleitet. Unser Ziel war das Dorf El Remate in der Nähe der berühmten Mayastätte Tikal im Osten des Landes. Im Minibus waren wir mal wieder die einzigen Touristen und wurden von den Einheimischen neugierig angeschaut.
Die nächsten drei Tage haben wir damit verbraucht absolut nichts zu tun, denn Felix hatte sich eine Ohrenentzündung zugezogen und so bestand unser Tagesablauf aus Frühstücken (gegen Mittag), Chillen und Lesen in der Hängematte sowie Abendessen. Währenddessen ist uns bewusst geworden, dass wir uns bisher so gut wie nie einen oder mehrere Tage Ruhe gegönnt und permanent zu viel Gas gegeben haben. Die erzwungene Pause tat uns beiden sehr gut und wir haben für uns die Entscheidung getroffen es ab jetzt etwas ruhiger angehen zu lassen.
Am vierten Tag ging es Felix schon viel besser, außerdem war sein Geburtstag und so entschieden wir uns sehr früh morgens nach Tikal zu fahren. Gegen 7 Uhr fuhren wir mit dem Colectivo zum Besucherzentrum, was etwas improvisierter wirkte als in Mexiko. Da die geführten Touren alle schon um 5 Uhr morgens starten, waren wir die erste Zeit fast alleine mit den Ruinen. Tikal liegt mitten im Regenwald und es führen lediglich Schotterwege von einem Tempel zum anderen. So verbrachten wir den ganzen Tag damit von einem Tempel zum anderen zu laufen und die eine oder andere Pyramide zu besteigen. Das Highlight sind die berühmten Zwillingspyramiden am zentralen Platz.
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Für uns persönlich am schönsten war jedoch die Aussicht von einer 60m hohen Pyramide am Rand des Areals, von der aus man einige wenige andere Pyramiden aus dem Urwald herausragen sehen konnte. Von dort oben konnten wir auch die berühmten Brüllaffen hören, deren Gebrüll eher an Löwen erinnert. Wir waren froh keinem dieser Exemplare persönlich begegnet zu sein.
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Am nächsten Tag ging unsere Reise ins nahegelegene Flores, ein fester Bestandteil in jeder Guatemalareise. Flores ist eine kleine Insel auf einem kleinen See und es gibt hier nicht viel zu tun außer durch die hübschen kleinen Gassen zu laufen und sich in einem Café niederzulassen. Außerdem gab es in unserem Hostel eine nette Dachterrasse mit Seeblick und Hängematten. Gegenüber befand sich offensichtlich eine Musikschule, wo den ganzen Nachmittag über Schüler ihre ersten Töne auf der Trompete übten. Die beiden Abende dort verbrachten wir mit unseren Hostelmitbewohnern in diversen Bars, was uns nach den paar Tagen Einsamkeit sehr gut tat.

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Weiter ging es für einen kurzen Stopp nach Semuc Champey, dem angeblich schönsten Ort in Guatemala. Bei glühender Hitze kann man hier einen Pfad hinaufsteigen und von oben die natürlichen Becken im Tal anschauen und anschließend wieder hinabsteigen und darin baden. Aber seht selbst:
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Nächste Station war für uns die schöne Kolonialstadt Antigua. Ähnlich wie wir das auch schon auf der Fahrt nach Semuc Champey getan hatten, fuhren wir mit 15 anderen Backpackern zusammengequetscht in einem Minibus 12 Stunden durchs Land (natürlich ohne Klimaanlage). Beide Fahrten verliefen nicht ohne Zwischenfälle. Bei der ersten Fahrt fanden wir uns nach einer Stunde in einem Stau wieder, der wegen einer kaputten Fähre entstanden war (es gab keine Brücke über den Fluss, sondern nur eine Fähre). Nach zwei Stunden des Wartens und einem Heiratsantrag von einem LKW-Fahrer an mich beschloss unser Fahrer einen großen Umweg zu fahren, da das mit der Fähre auf absehbare Zeit nichts mehr werden würde. So kamen wir mit etwa fünf Stunden Verspätung an. Auf der zweiten Fahrt wurden die Leute nach einer Stunde Fahrt von zwei Kleinbussen auf drei verteilt – worüber alle froh waren, da mehr Platz und so. Nach einer weiteren halben Stunde wurde aber einer der Busse plötzlich gebraucht um irgendwelche anderen Fahrgäste abzuholen und so mussten sich einige Leute wieder in die anderen beiden Busse reinquetschen. Aber so ist das nun mal in anderen Ländern, es ist oft nicht durchschaubar warum etwas so läuft wie es eben läuft.

In Antigua jedenfalls kamen wir kurz vor Sonnenuntergang an und machten uns auf den Weg zu einem kleinen Hotel, das wir uns vorher ausgesucht hatten. Die nächsten zwei Tage schlenderten wir durch die berühmte Kolonialstadt, besuchten diverse Ruinen und Kirchen und auch den einen oder anderen Geocache.
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An Tag Nummer drei hatten wir uns für eine Vulkanbesteigung des Pacaya angemeldet. Wie wir feststellen mussten, ging die Tour aber nur zu einem Aussichtspunkt gegenüber des Vulkans und anschließend über das Lavafeld. Der Pacaya ist momentan aktiv und kann nicht bestiegen werden. Mit unserer 15köpfigen Gruppe ging es 1,5 Stunden einen mittelmäßig steilen Weg hinauf. Verfolgt wurden wir von zwei Männern mit Pferden, die alle zwei Minuten laut „Taxi“ riefen. Zuerst dachten wir, wer bucht denn eine Vulkantour und ist dann nicht fit genug dafür. Aber bereits nach einer Viertelstunde wurden wir eines besseren belehrt und eine Mexikanerin stieg auf das erste „Taxi“. Nach einer weiteren Viertelstunde tat es ihr eine Kanadierin gleich, deren Mann eifrig die gesamte Wanderung mit der Videokamera festhielt.

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Die beiden Taxis

Nach so viel Kultur war uns mal wieder nach Urlaub zumute und so wurde als nächstes Ziel der Lago de Atitlan ausgewählt, genauer gesagt das Hippiedorf San Pedro La Laguna. Statt Touri-Kleinbus entschieden wir uns diesmal mit Chickenbuses zu fahren. Diese ausrangierten amerikanischen Schulbusse fahren zwischen benachbarten Städten hin und her und heißen so, weil die Leute darin so dicht zusammensitzen wie die Hühner auf der Stange. Chickenbus fahren ist unglaublich günstig und ist relativ einfach, man muss nur genau wissen wo man umsteigen muss. Fahrpläne oder dergleichen gibt es natürlich nicht. Also haben wir im Internet recherchiert und herausgefunden, dass wir mit vier verschiedenen Bussen fahren müssen. Am Busbahnhof in Antigua wussten wir gleich wo wir hin müssen, denn die Busassistenten verkünden ähnlich laut wie Marktschreier wohin die Reise geht um möglichst viele Fahrgäste zu gewinnen. Unsere Rucksäcke wurden unter der letzten Bank verstaut und los gings mit einem fast leeren Bus.
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Während der Fahrt durch Antigua hielt dieser aber alle 50m an um weitere Fahrgäste aufzunehmen. Es wurde ziemlich schnell eng, aber wir hatten Glück und keiner wollte sich mit zu uns auf die Sitzbank quetschen. Nach einer Stunde waren wir in der nächsten Stadt und plötzlich hielt der Bus an irgendeiner beliebigen Straße an und wir und ein zwei andere Backpacker sollten aussteigen. Wir waren etwas verwirrt, dachten uns aber, dass es wohl irgendeinen Sinn haben müsste. Als wir draußen noch mit den anderen beiden diskutierten was wir jetzt hier sollen, kam schon der nächste Bus und natürlich da wo wir hin wollten. Also schnell rein und weiter. Wie gesagt, manchmal weiß man nicht genau wie das funktioniert, aber irgendwie schickt einen immer jemand zum richtigen Zeitpunkt zum richtigen Ort. So ging das noch mit zwei weiteren Bussen und schließlich kamen wir in Panajachel am Lago de Atitlan an. Für die vierstündige Fahrt haben wir knapp vier Euro pro Person bezahlt und mussten nie länger als fünf Minuten auf den nächsten Bus warten. Jetzt mussten wir nur noch mit dem Boot über den See fahren und kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir San Pedro.

Dort war für die nächsten vier Tage gepflegtes Nichtstun angesagt (Mittagessen – Hängematte – Abendessen – Hängematte), das nur durch eine weitere Vulkanbesteigung auf den San Pedro unterbrochen wurde. Später haben wir erfahren, warum hier so viele Hippies rumhängen – angeblich werden hier regelmäßig illegale LSD-Partys im Wald veranstaltet. Tagsüber konnten wir immer beobachten wie sie mehr oder weniger erfolgreich versucht haben ihren selbstgemachten Schmuck auf der Straße zu verkaufen.

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Hippieleben in San Pedro

Nach vier Tagen ging es morgens 3:30 Uhr mit dem Bus los zu unserer letzten Station in Guatemala, Rio Dulce. Nach einer endlosen Busfahrt und einer Nacht bei 30°C in einem engen Hotelzimmer bestiegen wir morgens um 8 Uhr ein Boot den Rio Dulce hinauf nach Livingston an der Karibikküste. Die Fahrt durch den Urwald war ein sehr idyllisches Erlebnis und wir haben jede Menge Pelikane und Kormorane beobachtet.
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Die nächsten beiden Nächte verbrachten wir in Livingston in einem schönen Hostel im Grünen und verbrachten einen Tag am „Strand“, wobei man diesen eher als Müllkippe bezeichnen konnte. Die Geschichten vom Plastikmüll in den Weltmeeren kennt wohl jeder, aber mit eigenen Augen zu sehen was da alles angeschwemmt wird, ist einfach nur erschreckend. Nicht gerade ein guter letzter Eindruck von Guatemala, aber ansonsten hat sich uns das Land nur von seiner besten Seite gezeigt. Im Gegensatz zu Mexiko kann man hier noch ungestört vom Massentourismus die Natur und kulturelle Highlights genießen.

Anne

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Belize

Nach 14 Tagen Luxus und Mietwagen hat uns das Travellerleben wieder zurück. Unser Ziel: die karibische Miniinsel Caye Caulker in Belize. Wir sind von Puertos Aventuras mit einen lokalen Bus nach Tulum gefahren, dort haben wir die Busstation von ADO gesucht und sind gleich weiter nach Chetumal, was an der Grenze zu Belize liegt. Dort schnell in ein Taxi eingestiegen und zum Hafen gefahren, wo wir ein Boot genommen haben um auf die Insel überzusetzen. Zum Glück gibt es das Internet, wo wir quasi eine Schritt-für-Schritt-Anleitung gefunden haben, die wir einfach nur „nachreisen“ mussten. In Chetumal hatten wir noch etwas Zeit zum Essen, Geld holen und unser Geld mal wieder in eine neue Währung -von mexikanischen Pesos in Belize Dollar- umzutauschen. Dies macht man aber nicht wie bei uns üblich an einem Schalter mit offiziellen Wechselkursen und so, sondern bei einem netten Herrn, der mit einem Bündel Geld und einem BVB 09 Rucksack vor dem Ticketbüro herumsteht. Das Speedboat war ein echter Rückenkiller, da es wie ein Hammer immer auf das Wasser aufschlug, aber Reisen ist auch kein Ponyhof, wie wir ja immer wieder deutlich machen.

In Belize angekommen wurden wir von viel zu lässigen Schwarzen begrüßt und wie immer gefragt ob wir eine Unterkunft suchen. Da aber das Osterwochenende war und wir wussten, dass die Einheimischen hier gerne an dem Wochenende auf die Insel fahren, hatten wir was reserviert. Man muss an dieser Stelle erwähnen, dass wir seit langem mal wieder einen kleinen Kulturschock hatten, zwar nicht zu vergleichen mit dem ersten in Indien, aber dennoch erwähnenswert. Im Vergleich zu Mexiko leben auf Caye Caulker fast nur Schwarze, zudem wird in Belize englisch gesprochen, offiziell, denn die einheimischen reden Kreol, was eine Mischung aus englisch, spanisch und der lokalen indigenen Sprache ist. Das Motto der Insel lautet „Go slow!“ und wenn man sich als Tourist nicht daran hält, wird man schon mal von den Einheimischen darauf hingewiesen. „Hey why do you walk so fast? Go slow, man!“. Auch so wird man ständig auf der Straße gegrüßt mit wahlweise „Ey what’s uuup?“ oder „Ey yo white people!“ oder „whass happenin“ sodass man sich permanent vorkommt wie in einem Hiphop-Video.

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Unsere Aktivitäten auf der Insel haben sich hauptsächlich auf Chillen, Baden -in der Sonne und im Meer- und dem Beobachten der lokalen Bevölkerung beschränkt. Da wie schon erwähnt Osterwochenende war, war die Insel natürlich voll, aber hauptsächlich mit der lokalen Bevölkerung aus Belize City, heißt hier wurde tagsüber ordentlich Rum getrunken und getanzt, natürlich im Garifuna Stil, also Frau wackelt mit dem Arsch ordentlich auf und ab, wahlweise mit nem Kerl dahinter. Die Frauen in Belize zeigen sehr gerne was sie zu bieten haben (und das ist oft eine Menge – ihr versteht was ich meine), sodass die westlichen Touristen dagegen fast aussehen wie Klosterschülerinnen. Das einzige Verkehrsmittel auf der Insel sind Golfcars und das Größte ist es für die Leute hier den ganzen Tag damit die Straße am Strand rauf und runter zu fahren und dabei Bier zu trinken. Bei einem Gespräch mit einem kanadischen Pizzarestaurant-Besitzer, bei dem wir zwei Stunden auf unsere Pizza warten mussten, wurde uns noch erklärt, dass es sehr schwierig ist auf der Insel Personal zu finden, da die Leute immer nur für die nächste Flasche Rum arbeiten. Am letzten Tag waren wir noch tauchen im lokalen Riff, was wirklich atemberaubend war. Wir haben einige Löwenfische gesehen, eine Languste und jede Menge exotische Korallen.

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Das einzige Verkehrsmittel auf Caye Caulker

Nach 4 Tagen auf der Insel musste es aber weitergehen und wir sind mit der Fähre nach Belize City übergesetzt und durch die wirklich sehr hässliche, dreckige, stinkende und von Bettlern bevölkernde Stadt zum Busbahnhof gelaufen. Dort sind wir sofort in einen alten ausrangierten amerikanischen Schulbus gestiegen und weiter nach San Ignacio im Westen des Landes gefahren. Belize ist wirklich ein eigenartiges Land, hier gibt es so viele verschiedene Kulturen, die von Mayas über Amisch zu Garifuna und auch Chinesen und Europäern reicht, irgendwie leben hier alle Menschen zusammen, die man in Zentralamerika findet und noch ein paar mehr. Zudem ist es aufgrund der englischen Sprache ein beliebtes Urlaubsziel der US-Amerikaner, was sich im Vorhandensein von viel zu teuren Resorts zeigt, die 1000 USD und mehr pro Nacht kosten. In San Ignacio sind wir nicht sehr lange geblieben, da wir in einem ziemlich schäbigen Hotel abgestiegen sind und auch Belize als nicht so sehr toll empfanden.

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Lässigkeit ist das oberste Gebot in Belize

Dennoch haben wir hier eine der besten und mystischsten Höhlenbesichtigungen gemacht. In dieser Höhle haben die alten Mayas in einer Tiefe von circa 2 km Opferungen und andere religiöse Zeremonien durchgeführt und so konnten wir 1000 Jahre alte Tonkrüge und Skelette bestaunen, die noch genauso aussahen wie damals. Gepaart mit den Erzählungen unseres Guides war es wirklich sehr spannend und gab uns das Gefühl in eine vergangene Zeit einzutauchen. In der Höhle gab es außerdem keinen präparierten Pfad wie sonst üblich, sondern wir mussten durch den Fluss in der Höhle waten, der uns teilweise bis zum Hals reichte. Ein paarmal haben wir uns durch enge Felsspalten gequetscht um weiterzukommen – nichts für Klaustrophobiker.

Nach unserem kurzen Streifzug durch Belize ging es wieder zurück in unsere vertrauten Lateinamerikanischen Gefilde – diesmal nach Guatemala.

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Mexico: Mayawelt

Die nächsten zwei Wochen waren für uns das volle Kontrastprogramm, was die Art des Reisens anging. Wie schon angekündigt, begleiteten uns die Eltern von Felix für zwei Wochen und so waren luxuriöse Hotels statt Hostel angesagt, Mietwagen statt Bus und Restaurant statt lokale Imbissbude. Fühlte sich manchmal etwas dekadent an, aber wir haben den seltenen Luxus in vollen Zügen genossen. Für die ersten drei Tage war erstmal Strandurlaub und Jetleg auskurieren für Felix‘ Eltern (auch Elke und Ralf genannt) in Playa del Carmen angesagt. Die Stadt war nicht wirklich nach unserem Geschmack: ausschließlich amerikanische und kanadische Pauschaltouristen, die sich an den für sie gedachten Orten tummelten: am Strand, im Hotel, im schicken Restaurant, bummelnd und shoppend in der Einkaufsstraße sowie auf einem Ausflug nach Tulum oder Chichen Itza. Von dem echten Mexiko, das wir bisher kennengelernt hatten, war nicht mehr so viel übrig. Stattdessen gab’s schicken amerikanisierten Einheitsbrei zu Preisen, die einem schon fast körperliche Schmerzen bereitet haben. Nichtsdestotrotz haben wir die Zeit hier sehr genossen, denn sich über zuviel Luxus zu beschweren wäre noch viel dekandenter als das Leben in dieser Stadt. Und nach so einer langen Zeit in der Ferne wieder vertraute Gesichter zu sehen war ein sehr schönes Gefühl. Dementsprechend verbrachten wir unsere Abende immer mit leckerem Essen, Bier, Cocktails und dem einen oder anderen Tequila.

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Ralf, Elke und Felix

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Shopping-Meile

Die drei Tage vergingen wie im Flug. Nach einem entspannten Tag am Strand haben wir einen Ausflug auf die Insel Cozumel unternommen und in Akumal beim Schnorcheln die Bekanntschaft mit Riesenschildkröten, einem Stachelrochen, Tintenfischen, Korallen und anderen bunten Fischen gemacht. Dorthin sind wir ganz mexikanisch mit dem Colectivo gefahren, also einem Kleinbus, den man an der Straße heranwinkt, was für Felix‘ Eltern die erste untouristische Erfahrung war.

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Schnorcheln in Akumal

An Tag vier ging unsere Rundreise los, also erstmal den Mietwagen abgeholt und unser erstes Ziel angesteuert, die Maya-Stätte Tulum direkt am Meer. Klingt sehr romantisch, ist es aber nur zum Teil. Direkt auf dem Parkplatz werden einem die Optionen für den Besuch der Stätte erläutert (mit Guide, mit Schnorcheltour oder anderen Extras). Wir entschieden uns für „ohne alles“ und erkundeten die Ruinen auf eigene Faust, nur mit einem informativen Buch ausgerüstet, aus dem wir uns gegenseitig Texte zum jeweiligen Tempel vorlasen. Nachdem man sich einen Kilometer bis zum Gelände zwischen Restaurants und Touri-Läden durchmanövriert hat (wir haben einen schönen Cowboyhut für Ralf gekauft), betritt man ein großes Areal mit Touristengruppen aus Cancun oder Playa del Carmen oder Ausflügler von Kreuzfahrtschiffen, die mit lustigen Nummern beklebt sind, damit niemand verloren geht. Trotz der vielen Menschen verlieren die uralten Ruinen nicht ihre Faszination und man versucht sich vorzustellen wie die Mayas hier wohl ihren Alltag verbracht haben.

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Tulum

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Übernachtet haben wir in Valladolid, was auch der Ausgangspunkt für unser Ziel am nächsten Tag war, und zwar die Maya-Stätte Cobá. Diese zieht zum Glück nicht so große Touristenmassen an wie Tulum und so konnten wir uns in Ruhe den Ruinen widmen. Sie bestehen aus drei Gebäudegruppen, die jeweils 1-2 km voneinander entfernt sind. Praktischerweise gibt es Fahrradrikschas, die einen für „nur“ fünf Euro dorthin fahren. Das beeindruckendste Gebäude war eine 42m hohe Pyramide, die man erklimmen und von oben über das Gelände blicken konnte. Ansonsten gab es die Maya-typischen Pyramiden, Altäre, Opfersteine, Stelen, religiöse Gebäude, Ballspielplätze und astronomischen Observatorien zu sehen.

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Ausblick von der großen Pyramide in Cobá

Am nächsten Tag ging unsere Fahrt weiter ins nahe Chichén Itzá, neben Tulum die größte Attraktion in Yucatan. Auch wenn viele Leute sagen, man solle die Stätte wegen der Menschenmassen nicht besuchen, waren wir alle froh nicht auf den Rat gehört zu haben. Die Anlage ist sehr gut erhalten bzw. restauriert, sodass man sie fast genauso wahrnimmt wie ihre Bewohner vor 1000 Jahren (zumindest möchte man das glauben). Am     beeindruckendsten ist die große Pyramide in der Mitte des Areals. Sie ist nicht nur sehr imposant, sie kann auch einen sehr erstaunlichen akustischen Effekt erzeugen. Stellt man sich vor eine der großen Treppen und klatscht in die Hände, kommt ein Laut zurück, der wie ein Vogelzwitschern oder die Saite einer Gitarre klingt. Der Ballspielplatz hier gilt als der größte aller Mayastätten. Das Ballspiel hatte für die Mayas eine sehr große religiöse Bedeutung und gelegentlich wurde nach dem Spiel ein Spieler des Gewinnerteams geopfert.

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El Castillo in Chichén Itzá

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Der Ballspielplatz

Die Nacht verbrachten wir in einer Hacienda in der Nähe von Uxmal, unserem Ausflugsziel für den nächsten Tag. Ehrlich gesagt konnte ich mir vorher nicht viel unter einer Hacienda vorstellen, außer dass es eine Art großes altes Gutshaus ist. So ähnlich war es dann auch, ein U-förmiges zweistöckiges Gebäude mit Pool und Garten in der Mitte. Im Haus hat man sehr deutlich den Geist der Vergangenheit gespürt (Königin Elisabeth II und Jacky Kennedy haben auch schon hier genächtigt), was eine schöne Abwechslung zu den anderen Hotels war. Jeden Abend haben die Busse Touristen abgeladen, die dann im Restaurant von einer Mariachi-Band bespaßt wurden. Für uns stand am nächsten Tag die Besichtigung von Uxmal auf dem Programm, einer weiteren Mayastätte, die nicht weniger beeindruckend ist als Chichén Itzá, aber wo man nicht annähernd so viele Leute sieht. Statt Amerikanern gab es hier plötzlich nur noch Deutsche und Franzosen. Jetzt denkt ihr bestimmt „Jeden Tag Mayastätten, ist das nicht immer das Gleiche?“ – ehrlich gesagt hatte ich das auch erwartet, zumindest kennen wir das Phänomen von buddhistischen Tempeln. Der erste ist total beeindruckend, der zweite auch noch, aber spätestens beim fünften fängt man an sich zu langweilen. Bei den Mayas ging uns das aber gar nicht so, weil die Städte alle sehr unterschiedlich aufgebaut und gestaltet sind.

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Großartige Aussicht über Uxmal

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Die Wahrsagerpyramide in Uxmal

Nach einer weiteren Nacht in der Hacienda hieß unser Ziel für den Tag Mérida. Neben dem Marktplatz lief gerade ein Gesangswettbewerb für ältere Damen, was bei den Einheimischen anscheinend auf großes Interesse stieß. Wir kauften derweil auf dem Markt Souvenirs und landeten dann in einem deutschen Biergarten, in dem man deutsches Bier für 5 Euro trinken konnte. Am darauffolgenen Tag haben wir eine Cenote besucht, ein großes Kalksteinloch, das mit Süßwasser gefüllt ist. Für die alten Mayas waren sie heilig, heute kann man darin baden. Genau das haben wir auch getan, zusammen mit einigen anderen Touristen und Einheimischen.

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Gesangswettbewerb für ältere Damen

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Bei der Speisekarte kam ein bisschen Heimweh auf

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Cenote in Dzibilchaltun mit erfrischendem klaren blauen Wasser

Damit war unsere Rundreise durch Yucatan schon fast beendet, denn am nächsten Tag ging es zurück an die Ostküste. Auf der Rückfahrt gönnten wir uns aber noch ein Bad in der Grand Cenote mit vielen Schildkröten und einer faszinierenden Unterwasserlandschaft aus Felsen, Stalagmiten und Höhleneingängen.

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Grand Cenote

Die nächsten drei Tage verbrachten wir Puerto Aventuras in der Nähe von Playa del Carmen – eine komplett künstlich erschaffene Siedlung für reiche Mexikaner, Amerikaner und zwischendrin ein paar Urlauber. Unser kleines Hotel war umgeben von Luxusvillen und dahinter befand sich eine Wasserstraße mit Parkbuchten für die Yachten unserer Nachbarn. Etwas, was man als normaler Backpacker nicht zu Gesicht bekommen würde!

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Wir und unsere Nachbarn

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Nach den zwei gemeinsamen Wochen war es für Elke und Ralf Zeit nach Hause zu fliegen und für uns weiterzuziehen, wieder hinein ins Backpackerleben und auf ins nächste Land. Unser Ziel: Belize.

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Mexiko: weiter geht’s nach Oaxaca und Chiapas

Hallo liebe Lesergemeinde,

Als erstes muss ich euch mitteilen, dass mein Handy nicht mehr funktionstüchtig ist und ich damit nicht mehr über whattsapp erreichbar bin, bedanke mich aber über eure Glückwünsche die ich leider nicht lesen konnte. Nach wiedermal langer Pause melden wir uns zurück. Seit dem letzten Bericht ist natürlich einiges passiert und Stoff für 2 weitere Artikel hat sich angesammelt, aber wir fangen von vorne an. Einen Tag nachdem unsere Sprachschule in Puebla beendet war haben wir uns in den Kopf gesetzt den nahe gelegenen nicht mehr aktiven Vulkan Malinche oder Malintze zu besteigen, der mit knapp 4460 m einer der höchsten Berge Mexikos ist.

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Nein, den haben wir nicht bestiegen, darf man auch gar nicht weil er ziemlich stark brodelt und von Zeit zu Zeit auch riesige Aschewolken ausstößt. Popocatepetl um die 5400 m hoch.

Am Vorabend vor unserem Tagesausflug waren wir einkaufen um am nächsten früh unseren Tagesproviant (für jeden 3 Tortas, d.h. belegte Brötchen) zu schmieren. Um ca. 8 Uhr ging es dann los zum Busbahnhof, wo wir uns Tickets nach Apizaco kauften. Auf der Fahrt dorthin konnten wir im Bus noch ein wenig schlafen und Kräfte für den Aufstieg sammeln. In Apizaco angekommen, mussten wir uns irgendwie mit unseren paar gelernten Brocken spanisch zu einer bestimmten collectivo-Haltestelle durchfragen, von wo aus es zum Startpunkt des Aufstieges ging. Nachdem wir gefühlte 20 Leute gefragt haben und uns auch in der richtigen Ecke befanden, wo alle collectivos (Kleinbusse) abfahren, hat uns ein englisch sprechender gefragt wo wir hin wollen und uns gesagt das wir entweder 1 Stunde warten können, oder uns alleine ein collectivo für ungefähr 15 Euro chartern können. Da wir aber schon recht spät dran waren entschieden wir uns ein collectivo für uns alleine zu nehmen. Kurze Info zu den Höhen: Ausgangspunkt Puebla ca. 2000 m, losgewandert sind wir bei ca. 3000 m. Für die Besteigung braucht man ca. 5 Stunden inklusive Abstieg und losgewandert sind wir ca. 12 Uhr. Da der letzte colletivo um 17 Uhr wieder nach Apizaco fährt mussten wir uns also beeilen. Der erste Teil ging auch relativ einfach zu bewältigen, da er sehr flach war, dennoch mussten wir aufgrund der Höhe schon ordentlich schnaufen. Die Steigung nahm aber kontinuierlich zu und uns kamen schon einige Wanderer von oben entgegen. Weil Sonntag war haben sich auch viele Mexikaner zum Ziel gemacht hier ihren Tag mit der Familie beim wandern zu verbringen, so traf man also allerhand Leute und grüßte immer mit einem Hola oder buenas tardes die Leute. Nachdem wir die Baumgrenze erreichten und theoretisch einen super Ausblick haben sollten waren wir aber leider schon in den Wolken, die ausgerechnet heute den Gipfel und ein paar hundert Meter weiter unten den Berg umhüllten.

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Da ging es noch ganz gut voran.

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Das war das beste an Aussicht, das wir hatten, bevor wir in den Wolken verschwanden.

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Der Weg nach oben, in den Wolken.

Nichtsdestotrotz bestritten wir unseren weiteren Weg und waren letztendlich an einem sehr steilen, fast senkrechten Geröllfeld angekommen. Der Weg nach oben gestaltete sich schwierig, da wir nach einem Schritt nach oben wieder einen halben nach unten rutschten. Kurz vor Ende des Geröllfeldes konnten wir dann aufgrund der Höhe von ca. 4000m nur ein paar Schritte machen und rangen dann wie nach einem absolvierten 100 m Lauf nach Luft. Ich kam mit der Höhe etwas besser klar als Anne und wartete am Ende des Geröllfeldes auf sie und unterhielt mich mit einem Mexikaner, der uns nach unser Befindlichkeit fragte, ich versicherte ihm, dass bei uns alles OK ist. Jedoch als Anne oben bei mir auf ca. 4000 m ankam, war sie doch schon ziemlich fertig und sah eigentlich gar nicht gut aus. Aufgrund von Zeitmangel (es war schon 15 Uhr) entschieden wir uns wieder zurück zu gehen und brachen an dieser Stelle die Gipfelstürmung ab, was auch gut war wie sich im nachhinein herausstellte. Auf dem Weg nach unten sammelten wir noch einen Cache ein und unterhielten uns noch mit dem Mexikaner von oben, der uns auch anbot uns mit nach Tlaxcala, also halbe Strecke nach Puebla zurück zu nehmen. Auf dem weiteren Weg nach unten kristallisierte sich dann aber immer weiter heraus, das Anne doch ein wenig von der Höhenkrankheit abbekommen hat, was sich in Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Übelkeit äußerte. Aber zum Glück mussten wir das Angebot des Mexikaners und auch den Collectivo nach Apizaco nicht in Anspruch nehmen, da zu unserer großen Überraschung ein Bus direkt nach Puebla fuhr. So waren wir dann nach einem sehr anstrengenden Tag abends wieder in Puebla bei unserer Gastfamilie. Schon komisch, dass wir hier in Mexiko höher waren als in Nepal.

Puebla war schon echt schön, aber nach 2 Wochen wollten wir auch weiter. Aber leider mussten wir noch mehr oder weniger unfreiwillig ein paar Tage mehr hier bleiben, da ich meine Eltern gebeten hatte mir meine neue Kreditkarte hierher zu schicken. Wenn ihr euch erinnert, hatte ich die alte in einem Automaten in Laos vergessen. Leider kam diese aber nicht an und wir zogen ohne weiter nach Oaxaca. Unser Spanischlehrer sagte uns aber zu diese nach Playa del Carmen zu schicken, wo wir uns mit meinen Eltern für einen 2 Wochen Trip durch Yucatan treffen wollten.
In Oaxaca angekommen und wieder voll im Travel Alltag drin, lernten wir eine sehr bunte und vor Kultur strotzende Stadt kennen. Wir besuchten das Museum für zeitgenössische Kunst, das relativ klein war, aber atemberaubende Bilder von jungen Künstlern beherbergte. Wir labten uns am für Oaxaca berühmten Käse, der vorzugsweise geschmolzen gegessen wird und besuchten die Zapotheken-Stadt Monte Alban.

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Indigene Kunst. Sehr sehr alt.

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Monte Alban, mit nicht dem besten Wetter.

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Es war sehr windig.

Nach Oaxaca entschieden wir uns weiter an die Pazifikküste in das kleine Strandörtchen Zipolite zu fahren. Zipolite ist berühmt für seinen FKK Strand, für seine homosexuelle Toleranz und seinen übermäßigen Graskonsum. Kurz gesagt: ein Hippieparadies. Die ca. 8-stündige, kurvenreichen Fahrt war wie erwartet recht anstrengend, reichte aber nicht an die Fahrten in Laos heran, da es hier befestigte Straßen gab. In Zipolite hatten wir wieder Glück und haben ein kleines Zimmer mit einem Bett (und keinem Möbelstück mehr) direkt am Strand bekommen. Eine Hängematte wurde uns noch davor aufgehängt und so verbrachten wir die nächsten Tag mit lesen, sonnen und es uns gut gehen lassen. Eins hatte ich noch vergessen zu erwähnen: Zipolite trägt den Beinamen Strand der Toten und macht ihm auch alle Ehre. Eines morgens wachte ich auf um die Morgentoilette zu erledigen und sah eine Menschenansammlung am Strand und in mitten derer wurde versucht einen Mann wiederzubeleben. Auf die Frage ‚Que pasa‘ wurde nur gesagt ‚puede ser muerte‘, vielleicht tot. Neben diesem Ereignis haben wir noch ein weiteres mal eine Rettung beobachten können. Es gibt sehr gefährliche Strömungen hier, die die Menschen beim Baden raus ins Meer ziehen. Diese versuchen dann dagegen anzuschwimmen, was aber aufgrund der Stärke der Strömung nicht zum Erfolg führt, sondern zur vollkommenen Erschöpfung und die von hinten hereinbrechenden ab 2 Meter großen Wellen geben einem dann den Rest. Wir haben gelernt, dass man in so einem Fall parallel zum Strand schwimmen muss um aus der Strömung raus zu kommen. Am letzten Tag haben wir dann noch einen Bootsausflug gemacht, bei dem wir Delfine beobachten, schnorcheln und von einem Felsen ins Wasser springen konnten. An dieser Stelle sei gesagt, dass meine Freunde Juan y Susanita mit Basti und Guddi die gleiche Route ca. 4 Jahre zuvor bereist hatten und wir einiges auf den Bildern wieder erkannten (so viel zu „individuellem Reisen“ 😉 ).

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Delfine...

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Der Felsen dürfte dem Joe bekannt vorkommen, zumindest haben wir ihn in seinem Reisebericht wieder erkannt.

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Unsere Hängematte und Aussicht aus unserer Tür hinaus.

Nach 3 sonnenreichen Tagen ging es aber weiter. Zuerst hüpften wir auf die Ladefläche eines Collectivos und fuhren nach Pochutla, wo wir einen Nachtbus nach San Cristobal de las Casas nehmen wollten. Aber zuerst hieß es einen Geldautomaten finden, um die Tickets zu kaufen. War gar nicht so einfach, da einer nicht funktionierte und ein anderer anscheinend nur für Überweisungen zuständig war. Also ein bisschen was von der Reservewährung USD tauschen. Wieder hin zum Schalter und Bustickets für den 20 Uhr Bus kaufen. Aber war Fehlanzeige, weil 1. das Geld nicht reichte und 2. der Bus schon voll war. Toll. Also noch einen Tipp vom Schaltermann erhalten, wo noch ein Automat ist und dort erfolgreich Geld geholt. Mann muss dazu sagen, dass wir in Zipolite auch schon 2 Tage erfolglos versucht hatten Geld zu holen und zu wechseln, daher lagen die Nerven schon blank. Naja jedenfalls hatte der 23 Uhr Bus noch genau 2 Plätze frei, die wir dann letztendlich buchten. Yeah. Nach 11 Stunden Fahrt, die nicht die bequemste war, weil mein Sitz nicht nach hinten zu verstellen war, kamen wir in San Cristobal de las Casas in Chiapas an und quartierten uns in einem billigen und dafür auch nicht so sauberen Hostel ein, dafür gab’s jede Menge Hippieflair umsonst. Was solls, war ja nur für 2 Tage und die Stadt an sich war ja auch nicht die sauberste. Wir besuchten hier ein paar Museen, beobachteten das Treiben auf dem lokalen Markt und aßen leckere Käse-Empanadas direkt neben dem Fischstand. Yummi!
Aber das Highlight war der Besuch der Kirche in San Juan Chamula, ein kleines indigenes Dorf in der Nähe. Diese Kirche sah äußerlich aus wie eine normale katholische Kirche, aber innen komplett anders. An den Seiten waren mit Stoff bekleidete Heiligenfiguren aufgestellt, ausgelegt war die Kirche mit getrockneten Kiefernadeln und Bänke fehlten ebenso wie eine Orgel. Den ganzen Tag über gehen Menschen in die Kirche, um dort ein Ritual abzuhalten, für das man ein Huhn, sehr viele Kerzen sowie Cola und Bier benötigt. Wir beobachteten also ein typisches Gebet zweier Frauen und zweier Kinder. Es begann damit, dass verschiedenfarbige handgemachte Kerzen in mehreren Reihen auf dem Boden aufgestellt wurden. Jede Farbe symbolisiert eine spezielle Bedeutung. Danach wurde jede Reihe der Kerzen von hinten nach vorne angebrannt und die immergleichen Gebete in der dortigen Mayasprache gesprochen. Wasser, Cola, Bier und andere Softdrinks werden zwischen die Kerzenreihen gegossen und auch getrunken. Dies wird alles von andauernden, gemurmelten und sich immer wiederholenden Mantras begleitet. Zum Schluss wurde ein Huhn aus dem Beutel geholt und über die Kerzen und über eine Frau geführt und danach der Kopf umgedreht, das Huhn zappelte noch kurz und verschwand wieder im Beutel. Bei diesen Zeremonien wird um Glück, Gesundheit und Erfolg einer Schwangerschaft, Hochzeit, Fruchtbarkeit oder ähnliches gebeten. Diese Beobachtung war für uns schon etwas Besonderes und sehr surreal und zeigte wie stark sich die Religion der Maya mit dem Katholizismus vermischt bzw. erhalten hat.

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Der Markt, hier wird auch mal aus der Schubkarre raus verkauft.

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Ansonsten sieht es da so vor der Markthalle aus.

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Die Kirche in San Juan de Chamula, äußerlich ganz normal. Leider durfte man innen keine Bilder machen.

Nach dem Aufenthalt in Chiapas, was eine ziemliche arme Region Mexikos ist, haben wir eine Busfahrt nach Palenque gebucht, bei der wir außerdem noch 2 Wasserfälle besichtigen wollten. Da der Weg sehr weit war und es einiges zur erleben galt ging es 5 Uhr morgens los (ja, Reisen ist kein Zuckerschlecken und man steht teilweise früher auf als wenn man in Deutschland zur Arbeit geht). Nach ein paar Stunden Fahrt erreichten wir Agua Azul, ein traumhaft schöner Wasserfall mit klarem blauem Wasser. Wir verweilten dort eine Stunde, was viel zu kurz war und setzten uns wieder in den viel zu heißen Bus. Den zweiten Wasserfall sollten wir nicht erreichen, da unterwegs eine Straßensperre von den Ortsansässigen errichtet wurde (aus irgendwelchen politischen Gründen), stilecht mit fettem Baumstamm auf der Gegenseite und Nagelbrett auf unserer. Allerdings standen wir 2 Stunden im Stau bis wir uns dorthin vorgekämpft hatten. Nachdem unser Fahrer den Aufsässigen umgerechnet 20 Euro für die Weiterfahrt gegeben hatte ging das dafür kostenlos erhaltene Flugblatt im Bus rum und wir erfuhren, dass wohl das Geld von der Regierung für die Bewohner von einer kriminellen Organisation gestohlen wurde und die Regierung ihnen nicht hilft, daher haben sie sich wohl zu dieser Maßnahme bzw. Einnahmequelle gezwungen gesehen. Auch sehr interessant zu sehen wie die Leute hier solche Sachen selber in die Hand nehmen. Leider zu unserem Nachteil. Durch die Verzögerung haben wir nicht nur den anderen Wasserfall nicht gesehen, sondern auch weniger Zeit gehabt um die im Dschungel liegende Maya-Stätte Palenque zu sehen. In Palenque blieben wir eine Nacht und reisten am darauf folgenden Tag wieder über Nacht weiter nach Playa del Carmen im Bundesstaat Quintana Roo um mit meinen Eltern 2 Wochen auf der Halbinseln Yucatan zu verbringen, wovon der nächste Bericht handeln wird.

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Einer der Wasserfälle der Kaskade bei Agua Azul.

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Palenque

Bis bald
Felix und Anne

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Mexiko bzw. Neuer Kontinent, neue Herausforderungen

Mit unserer Ankunft in Mexiko City hat der zweite Teil unserer Reise begonnen und damit verbunden sind wir mit einer komplett neuen Kultur, Sprache, Mentalität, Geschichte und einer neuen Art des Reisens konfrontiert. Damit ergeben sich natürlich neue Herausforderungen die hauptsächlich darin bestehen, dass in Mexiko, trotz der Nähe zur USA, die meisten Menschen kein Englisch sprechen, sodass wir uns entschieden haben zu Beginn einen Sprachkurs zu machen. Aber erstmal von vorne.
Die ersten vier Tage in Mexiko City plagte uns durch die 11 Stunden Zeitverschiebung und die mehr als 24 stündige Reise von Manila ein heftiger Jetlag, sodass wir die Zeit dort nicht voll ausnutzen konnten. Was sehr schade war, denn es gibt dort ein riesiges Angebot an Kultur, Museen etc. und natürlich ist man die ersten Tage in einem neuen Land sowieso immer erstmal beeindruckt bzw. überfordert von den ganzen alltäglichen Dingen (neue Währung, neue Sprache, die Autos fahren schon wieder auf der anderen Seite etc.). Dazu kam am Anfang auch noch die Angst abends auf die Straße zu gehen – das hat sich aber ziemlich schnell als überflüssig herausgestellt. Mit der Sprache war es anfangs schwierig sich verständlich zu machen, trotz meinem Anfängerkurs, den ich in Deutschland gemacht hatte. Aber wie es halt so ist, irgendwie kommt man immer zurecht und bekommt was man will, oder auch nicht.
Unsere Highlights in Mexiko Stadt waren u.a. der Templo Mayor, ein alter Tempel, der mitten in der Stadt ausgegraben wurde, sowie das Museum für Anthropologie, angeblich eines der besten Museen der Welt. Außerdem kann man ungefähr 5000 Kirchen in der Stadt besichtigen.

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Erfolgreich Tacos bestellt!

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Das Anthropologische Museum - kein Kunstwerk ist zu groß um hierher geschafft zu werden

Die nächsten zwei Wochen haben wir in Puebla verbracht, einer relativ großen Stadt 2 Stunden von Mexiko City entfernt. Hier haben wir einen Spanischkurs in einer sehr familiären Sprachschule besucht und gleichzeitig bei einer Gastfamilie gewohnt. Felix und ich waren alleine in einer „Klasse“, außer uns waren noch vier Kanadier und zwei Amerikaner an der Schule, die alle schon auf einem fortgeschrittenen Level waren. Die Schule gehört Scott, einem Amerikaner, und seiner mexikanischen Ehefrau und ist gleichzeitig das Wohnhaus der beiden. Der Unterricht war ganz anders als damals in der Schule, es gab kein Lehrbuch und keine Klassenarbeiten, dafür war das Tempo viel höher und es wurde viel mehr Wert auf’s Sprechen gelegt. Nach vier Stunden Unterricht am Vormittag sind wir alle zusammen Mittagessen gegangen und am Nachmittag hatte man noch für zwei Stunden einen persönlichen Guide zur Verfügung, mit dem man die Stadt anschauen, ein Museum besuchen und vor allem spanisch sprechen konnte. Wir haben unsere Guides außerdem zum Geocachen mitgenommen, was für sie bestimmt mal eine willkommene Abwechslung war.

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Unsere "Mitschüler" während einer kleinen Party am Freitag Nachmittag

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Donnerstag Nachmittag stand immer ein Ausflug auf dem Programm. Einer der Ausflüge ging nach Tlaxcala, wo wir die örtliche Basilika bestaunt haben. Diese war mit vielen Holzschnitzereien, die wiederum mit Blattgold bedeckt waren, geschmückt. Die Kirche war zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria errichtet worden, die einem Bauern an einer Quelle im Wald erschienen war. Er berichtete in seinem Dorf von dem Ereignis, aber keiner wollte ihm Glauben schenken. Der Priester ging jedoch zu der Stelle im Wald und konnte die Erscheinung auch sehen. Dann kam das ganze Dorf und sah sie. Jetzt steht in der Nähe eine Basilika mit einer Holzfigur von Maria, die aus dem Baum geschnitzt wurde, in dem Maria erschienen ist. An der besagten Quelle steht eine kleine Kapelle, in der man das heilige Wasser gegen Geld käuflich erwerben kann. Beim Verlassen der Kapelle kam gerade eine Familie mit einem großen Kanister um sich Wasser abzufüllen (die Mexikaner sind wirklich sehr gläubig). Ein weiteres Highlight sind die Wandmalereien im Rathaus, die die Geschichte der Azteken erzählen und auch zeigt wie der Mais (DAS Hauptnahrungsmittel) angebaut, geerntet und zu Tortillas verarbeitet wird. Zudem war noch die Agave als zweitwichtigste Pflanze zu sehen, aus der Papier und vor allem Tequila hergestellt wird. Außerdem haben wir noch eine Stierkampfarena besucht.

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Tlaxcala

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Maria ist den Dorfbewohnern in einem Baum erschienen, wie man sieht

Unsere Gastfamilie bestand aus einem pensionierten Ehepaar, Mago und Fernando, wobei letzterer schon sehr gebrechlich war und Mago deswegen den ganzen Haushalt organisieren musste, d.h. jeden Tag zwei bis drei Mahlzeiten für ihren Ehemann, für uns beide und noch einen Studenten zubereiten, der ebenfalls im Haus wohnt. Am Anfang war die Kommunikation schwierig, da wir beide so gut wie kein Spanisch konnten und Mago kein Englisch. In der zweiten Woche merkten wir aber schon einige Fortschritte und konnten uns schon ein bisschen mehr verständigen und auch verstehen wenn die beiden mit uns geredet haben.

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Mago, Fernando und wir beide

Nach den zwei Wochen in Puebla fühlten wir uns jedenfalls halbwegs gewappnet unsere Reise fortzusetzen und den sprachlichen Herausforderungen gelassen zu begegnen. Seitdem schwanken wir ständig zwischen „Eigentlich können wir schon ganz gut spanisch“ und „Eigentlich kann ich noch fast gar nichts“. Aber die Momente, in denen man nichts versteht oder man nicht ausdrücken kann was man gerne will, werden tatsächlich immer weniger. Das Tolle daran, die Sprache der Einheimischen zu sprechen ist, dass man sich viel weniger als Tourist fühlt und mit den Menschen auf einer viel persönlicheren Ebene begegnen kann als z.B. nur im Restaurant Essen zu bestellen. Wie unsere Reise in Mexiko weitergeht, erfahrt ihr bald!

Anne

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