Mexiko: weiter geht’s nach Oaxaca und Chiapas

Hallo liebe Lesergemeinde,

Als erstes muss ich euch mitteilen, dass mein Handy nicht mehr funktionstüchtig ist und ich damit nicht mehr über whattsapp erreichbar bin, bedanke mich aber über eure Glückwünsche die ich leider nicht lesen konnte. Nach wiedermal langer Pause melden wir uns zurück. Seit dem letzten Bericht ist natürlich einiges passiert und Stoff für 2 weitere Artikel hat sich angesammelt, aber wir fangen von vorne an. Einen Tag nachdem unsere Sprachschule in Puebla beendet war haben wir uns in den Kopf gesetzt den nahe gelegenen nicht mehr aktiven Vulkan Malinche oder Malintze zu besteigen, der mit knapp 4460 m einer der höchsten Berge Mexikos ist.

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Nein, den haben wir nicht bestiegen, darf man auch gar nicht weil er ziemlich stark brodelt und von Zeit zu Zeit auch riesige Aschewolken ausstößt. Popocatepetl um die 5400 m hoch.

Am Vorabend vor unserem Tagesausflug waren wir einkaufen um am nächsten früh unseren Tagesproviant (für jeden 3 Tortas, d.h. belegte Brötchen) zu schmieren. Um ca. 8 Uhr ging es dann los zum Busbahnhof, wo wir uns Tickets nach Apizaco kauften. Auf der Fahrt dorthin konnten wir im Bus noch ein wenig schlafen und Kräfte für den Aufstieg sammeln. In Apizaco angekommen, mussten wir uns irgendwie mit unseren paar gelernten Brocken spanisch zu einer bestimmten collectivo-Haltestelle durchfragen, von wo aus es zum Startpunkt des Aufstieges ging. Nachdem wir gefühlte 20 Leute gefragt haben und uns auch in der richtigen Ecke befanden, wo alle collectivos (Kleinbusse) abfahren, hat uns ein englisch sprechender gefragt wo wir hin wollen und uns gesagt das wir entweder 1 Stunde warten können, oder uns alleine ein collectivo für ungefähr 15 Euro chartern können. Da wir aber schon recht spät dran waren entschieden wir uns ein collectivo für uns alleine zu nehmen. Kurze Info zu den Höhen: Ausgangspunkt Puebla ca. 2000 m, losgewandert sind wir bei ca. 3000 m. Für die Besteigung braucht man ca. 5 Stunden inklusive Abstieg und losgewandert sind wir ca. 12 Uhr. Da der letzte colletivo um 17 Uhr wieder nach Apizaco fährt mussten wir uns also beeilen. Der erste Teil ging auch relativ einfach zu bewältigen, da er sehr flach war, dennoch mussten wir aufgrund der Höhe schon ordentlich schnaufen. Die Steigung nahm aber kontinuierlich zu und uns kamen schon einige Wanderer von oben entgegen. Weil Sonntag war haben sich auch viele Mexikaner zum Ziel gemacht hier ihren Tag mit der Familie beim wandern zu verbringen, so traf man also allerhand Leute und grüßte immer mit einem Hola oder buenas tardes die Leute. Nachdem wir die Baumgrenze erreichten und theoretisch einen super Ausblick haben sollten waren wir aber leider schon in den Wolken, die ausgerechnet heute den Gipfel und ein paar hundert Meter weiter unten den Berg umhüllten.

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Da ging es noch ganz gut voran.

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Das war das beste an Aussicht, das wir hatten, bevor wir in den Wolken verschwanden.

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Der Weg nach oben, in den Wolken.

Nichtsdestotrotz bestritten wir unseren weiteren Weg und waren letztendlich an einem sehr steilen, fast senkrechten Geröllfeld angekommen. Der Weg nach oben gestaltete sich schwierig, da wir nach einem Schritt nach oben wieder einen halben nach unten rutschten. Kurz vor Ende des Geröllfeldes konnten wir dann aufgrund der Höhe von ca. 4000m nur ein paar Schritte machen und rangen dann wie nach einem absolvierten 100 m Lauf nach Luft. Ich kam mit der Höhe etwas besser klar als Anne und wartete am Ende des Geröllfeldes auf sie und unterhielt mich mit einem Mexikaner, der uns nach unser Befindlichkeit fragte, ich versicherte ihm, dass bei uns alles OK ist. Jedoch als Anne oben bei mir auf ca. 4000 m ankam, war sie doch schon ziemlich fertig und sah eigentlich gar nicht gut aus. Aufgrund von Zeitmangel (es war schon 15 Uhr) entschieden wir uns wieder zurück zu gehen und brachen an dieser Stelle die Gipfelstürmung ab, was auch gut war wie sich im nachhinein herausstellte. Auf dem Weg nach unten sammelten wir noch einen Cache ein und unterhielten uns noch mit dem Mexikaner von oben, der uns auch anbot uns mit nach Tlaxcala, also halbe Strecke nach Puebla zurück zu nehmen. Auf dem weiteren Weg nach unten kristallisierte sich dann aber immer weiter heraus, das Anne doch ein wenig von der Höhenkrankheit abbekommen hat, was sich in Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Übelkeit äußerte. Aber zum Glück mussten wir das Angebot des Mexikaners und auch den Collectivo nach Apizaco nicht in Anspruch nehmen, da zu unserer großen Überraschung ein Bus direkt nach Puebla fuhr. So waren wir dann nach einem sehr anstrengenden Tag abends wieder in Puebla bei unserer Gastfamilie. Schon komisch, dass wir hier in Mexiko höher waren als in Nepal.

Puebla war schon echt schön, aber nach 2 Wochen wollten wir auch weiter. Aber leider mussten wir noch mehr oder weniger unfreiwillig ein paar Tage mehr hier bleiben, da ich meine Eltern gebeten hatte mir meine neue Kreditkarte hierher zu schicken. Wenn ihr euch erinnert, hatte ich die alte in einem Automaten in Laos vergessen. Leider kam diese aber nicht an und wir zogen ohne weiter nach Oaxaca. Unser Spanischlehrer sagte uns aber zu diese nach Playa del Carmen zu schicken, wo wir uns mit meinen Eltern für einen 2 Wochen Trip durch Yucatan treffen wollten.
In Oaxaca angekommen und wieder voll im Travel Alltag drin, lernten wir eine sehr bunte und vor Kultur strotzende Stadt kennen. Wir besuchten das Museum für zeitgenössische Kunst, das relativ klein war, aber atemberaubende Bilder von jungen Künstlern beherbergte. Wir labten uns am für Oaxaca berühmten Käse, der vorzugsweise geschmolzen gegessen wird und besuchten die Zapotheken-Stadt Monte Alban.

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Indigene Kunst. Sehr sehr alt.

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Monte Alban, mit nicht dem besten Wetter.

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Es war sehr windig.

Nach Oaxaca entschieden wir uns weiter an die Pazifikküste in das kleine Strandörtchen Zipolite zu fahren. Zipolite ist berühmt für seinen FKK Strand, für seine homosexuelle Toleranz und seinen übermäßigen Graskonsum. Kurz gesagt: ein Hippieparadies. Die ca. 8-stündige, kurvenreichen Fahrt war wie erwartet recht anstrengend, reichte aber nicht an die Fahrten in Laos heran, da es hier befestigte Straßen gab. In Zipolite hatten wir wieder Glück und haben ein kleines Zimmer mit einem Bett (und keinem Möbelstück mehr) direkt am Strand bekommen. Eine Hängematte wurde uns noch davor aufgehängt und so verbrachten wir die nächsten Tag mit lesen, sonnen und es uns gut gehen lassen. Eins hatte ich noch vergessen zu erwähnen: Zipolite trägt den Beinamen Strand der Toten und macht ihm auch alle Ehre. Eines morgens wachte ich auf um die Morgentoilette zu erledigen und sah eine Menschenansammlung am Strand und in mitten derer wurde versucht einen Mann wiederzubeleben. Auf die Frage ‚Que pasa‘ wurde nur gesagt ‚puede ser muerte‘, vielleicht tot. Neben diesem Ereignis haben wir noch ein weiteres mal eine Rettung beobachten können. Es gibt sehr gefährliche Strömungen hier, die die Menschen beim Baden raus ins Meer ziehen. Diese versuchen dann dagegen anzuschwimmen, was aber aufgrund der Stärke der Strömung nicht zum Erfolg führt, sondern zur vollkommenen Erschöpfung und die von hinten hereinbrechenden ab 2 Meter großen Wellen geben einem dann den Rest. Wir haben gelernt, dass man in so einem Fall parallel zum Strand schwimmen muss um aus der Strömung raus zu kommen. Am letzten Tag haben wir dann noch einen Bootsausflug gemacht, bei dem wir Delfine beobachten, schnorcheln und von einem Felsen ins Wasser springen konnten. An dieser Stelle sei gesagt, dass meine Freunde Juan y Susanita mit Basti und Guddi die gleiche Route ca. 4 Jahre zuvor bereist hatten und wir einiges auf den Bildern wieder erkannten (so viel zu „individuellem Reisen“ 😉 ).

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Delfine...

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Der Felsen dürfte dem Joe bekannt vorkommen, zumindest haben wir ihn in seinem Reisebericht wieder erkannt.

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Unsere Hängematte und Aussicht aus unserer Tür hinaus.

Nach 3 sonnenreichen Tagen ging es aber weiter. Zuerst hüpften wir auf die Ladefläche eines Collectivos und fuhren nach Pochutla, wo wir einen Nachtbus nach San Cristobal de las Casas nehmen wollten. Aber zuerst hieß es einen Geldautomaten finden, um die Tickets zu kaufen. War gar nicht so einfach, da einer nicht funktionierte und ein anderer anscheinend nur für Überweisungen zuständig war. Also ein bisschen was von der Reservewährung USD tauschen. Wieder hin zum Schalter und Bustickets für den 20 Uhr Bus kaufen. Aber war Fehlanzeige, weil 1. das Geld nicht reichte und 2. der Bus schon voll war. Toll. Also noch einen Tipp vom Schaltermann erhalten, wo noch ein Automat ist und dort erfolgreich Geld geholt. Mann muss dazu sagen, dass wir in Zipolite auch schon 2 Tage erfolglos versucht hatten Geld zu holen und zu wechseln, daher lagen die Nerven schon blank. Naja jedenfalls hatte der 23 Uhr Bus noch genau 2 Plätze frei, die wir dann letztendlich buchten. Yeah. Nach 11 Stunden Fahrt, die nicht die bequemste war, weil mein Sitz nicht nach hinten zu verstellen war, kamen wir in San Cristobal de las Casas in Chiapas an und quartierten uns in einem billigen und dafür auch nicht so sauberen Hostel ein, dafür gab’s jede Menge Hippieflair umsonst. Was solls, war ja nur für 2 Tage und die Stadt an sich war ja auch nicht die sauberste. Wir besuchten hier ein paar Museen, beobachteten das Treiben auf dem lokalen Markt und aßen leckere Käse-Empanadas direkt neben dem Fischstand. Yummi!
Aber das Highlight war der Besuch der Kirche in San Juan Chamula, ein kleines indigenes Dorf in der Nähe. Diese Kirche sah äußerlich aus wie eine normale katholische Kirche, aber innen komplett anders. An den Seiten waren mit Stoff bekleidete Heiligenfiguren aufgestellt, ausgelegt war die Kirche mit getrockneten Kiefernadeln und Bänke fehlten ebenso wie eine Orgel. Den ganzen Tag über gehen Menschen in die Kirche, um dort ein Ritual abzuhalten, für das man ein Huhn, sehr viele Kerzen sowie Cola und Bier benötigt. Wir beobachteten also ein typisches Gebet zweier Frauen und zweier Kinder. Es begann damit, dass verschiedenfarbige handgemachte Kerzen in mehreren Reihen auf dem Boden aufgestellt wurden. Jede Farbe symbolisiert eine spezielle Bedeutung. Danach wurde jede Reihe der Kerzen von hinten nach vorne angebrannt und die immergleichen Gebete in der dortigen Mayasprache gesprochen. Wasser, Cola, Bier und andere Softdrinks werden zwischen die Kerzenreihen gegossen und auch getrunken. Dies wird alles von andauernden, gemurmelten und sich immer wiederholenden Mantras begleitet. Zum Schluss wurde ein Huhn aus dem Beutel geholt und über die Kerzen und über eine Frau geführt und danach der Kopf umgedreht, das Huhn zappelte noch kurz und verschwand wieder im Beutel. Bei diesen Zeremonien wird um Glück, Gesundheit und Erfolg einer Schwangerschaft, Hochzeit, Fruchtbarkeit oder ähnliches gebeten. Diese Beobachtung war für uns schon etwas Besonderes und sehr surreal und zeigte wie stark sich die Religion der Maya mit dem Katholizismus vermischt bzw. erhalten hat.

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Der Markt, hier wird auch mal aus der Schubkarre raus verkauft.

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Ansonsten sieht es da so vor der Markthalle aus.

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Die Kirche in San Juan de Chamula, äußerlich ganz normal. Leider durfte man innen keine Bilder machen.

Nach dem Aufenthalt in Chiapas, was eine ziemliche arme Region Mexikos ist, haben wir eine Busfahrt nach Palenque gebucht, bei der wir außerdem noch 2 Wasserfälle besichtigen wollten. Da der Weg sehr weit war und es einiges zur erleben galt ging es 5 Uhr morgens los (ja, Reisen ist kein Zuckerschlecken und man steht teilweise früher auf als wenn man in Deutschland zur Arbeit geht). Nach ein paar Stunden Fahrt erreichten wir Agua Azul, ein traumhaft schöner Wasserfall mit klarem blauem Wasser. Wir verweilten dort eine Stunde, was viel zu kurz war und setzten uns wieder in den viel zu heißen Bus. Den zweiten Wasserfall sollten wir nicht erreichen, da unterwegs eine Straßensperre von den Ortsansässigen errichtet wurde (aus irgendwelchen politischen Gründen), stilecht mit fettem Baumstamm auf der Gegenseite und Nagelbrett auf unserer. Allerdings standen wir 2 Stunden im Stau bis wir uns dorthin vorgekämpft hatten. Nachdem unser Fahrer den Aufsässigen umgerechnet 20 Euro für die Weiterfahrt gegeben hatte ging das dafür kostenlos erhaltene Flugblatt im Bus rum und wir erfuhren, dass wohl das Geld von der Regierung für die Bewohner von einer kriminellen Organisation gestohlen wurde und die Regierung ihnen nicht hilft, daher haben sie sich wohl zu dieser Maßnahme bzw. Einnahmequelle gezwungen gesehen. Auch sehr interessant zu sehen wie die Leute hier solche Sachen selber in die Hand nehmen. Leider zu unserem Nachteil. Durch die Verzögerung haben wir nicht nur den anderen Wasserfall nicht gesehen, sondern auch weniger Zeit gehabt um die im Dschungel liegende Maya-Stätte Palenque zu sehen. In Palenque blieben wir eine Nacht und reisten am darauf folgenden Tag wieder über Nacht weiter nach Playa del Carmen im Bundesstaat Quintana Roo um mit meinen Eltern 2 Wochen auf der Halbinseln Yucatan zu verbringen, wovon der nächste Bericht handeln wird.

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Einer der Wasserfälle der Kaskade bei Agua Azul.

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Palenque

Bis bald
Felix und Anne

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2 Gedanken zu “Mexiko: weiter geht’s nach Oaxaca und Chiapas

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