Mexico: Mayawelt

Die nächsten zwei Wochen waren für uns das volle Kontrastprogramm, was die Art des Reisens anging. Wie schon angekündigt, begleiteten uns die Eltern von Felix für zwei Wochen und so waren luxuriöse Hotels statt Hostel angesagt, Mietwagen statt Bus und Restaurant statt lokale Imbissbude. Fühlte sich manchmal etwas dekadent an, aber wir haben den seltenen Luxus in vollen Zügen genossen. Für die ersten drei Tage war erstmal Strandurlaub und Jetleg auskurieren für Felix‘ Eltern (auch Elke und Ralf genannt) in Playa del Carmen angesagt. Die Stadt war nicht wirklich nach unserem Geschmack: ausschließlich amerikanische und kanadische Pauschaltouristen, die sich an den für sie gedachten Orten tummelten: am Strand, im Hotel, im schicken Restaurant, bummelnd und shoppend in der Einkaufsstraße sowie auf einem Ausflug nach Tulum oder Chichen Itza. Von dem echten Mexiko, das wir bisher kennengelernt hatten, war nicht mehr so viel übrig. Stattdessen gab’s schicken amerikanisierten Einheitsbrei zu Preisen, die einem schon fast körperliche Schmerzen bereitet haben. Nichtsdestotrotz haben wir die Zeit hier sehr genossen, denn sich über zuviel Luxus zu beschweren wäre noch viel dekandenter als das Leben in dieser Stadt. Und nach so einer langen Zeit in der Ferne wieder vertraute Gesichter zu sehen war ein sehr schönes Gefühl. Dementsprechend verbrachten wir unsere Abende immer mit leckerem Essen, Bier, Cocktails und dem einen oder anderen Tequila.

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Ralf, Elke und Felix

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Shopping-Meile

Die drei Tage vergingen wie im Flug. Nach einem entspannten Tag am Strand haben wir einen Ausflug auf die Insel Cozumel unternommen und in Akumal beim Schnorcheln die Bekanntschaft mit Riesenschildkröten, einem Stachelrochen, Tintenfischen, Korallen und anderen bunten Fischen gemacht. Dorthin sind wir ganz mexikanisch mit dem Colectivo gefahren, also einem Kleinbus, den man an der Straße heranwinkt, was für Felix‘ Eltern die erste untouristische Erfahrung war.

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Schnorcheln in Akumal

An Tag vier ging unsere Rundreise los, also erstmal den Mietwagen abgeholt und unser erstes Ziel angesteuert, die Maya-Stätte Tulum direkt am Meer. Klingt sehr romantisch, ist es aber nur zum Teil. Direkt auf dem Parkplatz werden einem die Optionen für den Besuch der Stätte erläutert (mit Guide, mit Schnorcheltour oder anderen Extras). Wir entschieden uns für „ohne alles“ und erkundeten die Ruinen auf eigene Faust, nur mit einem informativen Buch ausgerüstet, aus dem wir uns gegenseitig Texte zum jeweiligen Tempel vorlasen. Nachdem man sich einen Kilometer bis zum Gelände zwischen Restaurants und Touri-Läden durchmanövriert hat (wir haben einen schönen Cowboyhut für Ralf gekauft), betritt man ein großes Areal mit Touristengruppen aus Cancun oder Playa del Carmen oder Ausflügler von Kreuzfahrtschiffen, die mit lustigen Nummern beklebt sind, damit niemand verloren geht. Trotz der vielen Menschen verlieren die uralten Ruinen nicht ihre Faszination und man versucht sich vorzustellen wie die Mayas hier wohl ihren Alltag verbracht haben.

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Tulum

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Übernachtet haben wir in Valladolid, was auch der Ausgangspunkt für unser Ziel am nächsten Tag war, und zwar die Maya-Stätte Cobá. Diese zieht zum Glück nicht so große Touristenmassen an wie Tulum und so konnten wir uns in Ruhe den Ruinen widmen. Sie bestehen aus drei Gebäudegruppen, die jeweils 1-2 km voneinander entfernt sind. Praktischerweise gibt es Fahrradrikschas, die einen für „nur“ fünf Euro dorthin fahren. Das beeindruckendste Gebäude war eine 42m hohe Pyramide, die man erklimmen und von oben über das Gelände blicken konnte. Ansonsten gab es die Maya-typischen Pyramiden, Altäre, Opfersteine, Stelen, religiöse Gebäude, Ballspielplätze und astronomischen Observatorien zu sehen.

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Ausblick von der großen Pyramide in Cobá

Am nächsten Tag ging unsere Fahrt weiter ins nahe Chichén Itzá, neben Tulum die größte Attraktion in Yucatan. Auch wenn viele Leute sagen, man solle die Stätte wegen der Menschenmassen nicht besuchen, waren wir alle froh nicht auf den Rat gehört zu haben. Die Anlage ist sehr gut erhalten bzw. restauriert, sodass man sie fast genauso wahrnimmt wie ihre Bewohner vor 1000 Jahren (zumindest möchte man das glauben). Am     beeindruckendsten ist die große Pyramide in der Mitte des Areals. Sie ist nicht nur sehr imposant, sie kann auch einen sehr erstaunlichen akustischen Effekt erzeugen. Stellt man sich vor eine der großen Treppen und klatscht in die Hände, kommt ein Laut zurück, der wie ein Vogelzwitschern oder die Saite einer Gitarre klingt. Der Ballspielplatz hier gilt als der größte aller Mayastätten. Das Ballspiel hatte für die Mayas eine sehr große religiöse Bedeutung und gelegentlich wurde nach dem Spiel ein Spieler des Gewinnerteams geopfert.

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El Castillo in Chichén Itzá

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Der Ballspielplatz

Die Nacht verbrachten wir in einer Hacienda in der Nähe von Uxmal, unserem Ausflugsziel für den nächsten Tag. Ehrlich gesagt konnte ich mir vorher nicht viel unter einer Hacienda vorstellen, außer dass es eine Art großes altes Gutshaus ist. So ähnlich war es dann auch, ein U-förmiges zweistöckiges Gebäude mit Pool und Garten in der Mitte. Im Haus hat man sehr deutlich den Geist der Vergangenheit gespürt (Königin Elisabeth II und Jacky Kennedy haben auch schon hier genächtigt), was eine schöne Abwechslung zu den anderen Hotels war. Jeden Abend haben die Busse Touristen abgeladen, die dann im Restaurant von einer Mariachi-Band bespaßt wurden. Für uns stand am nächsten Tag die Besichtigung von Uxmal auf dem Programm, einer weiteren Mayastätte, die nicht weniger beeindruckend ist als Chichén Itzá, aber wo man nicht annähernd so viele Leute sieht. Statt Amerikanern gab es hier plötzlich nur noch Deutsche und Franzosen. Jetzt denkt ihr bestimmt „Jeden Tag Mayastätten, ist das nicht immer das Gleiche?“ – ehrlich gesagt hatte ich das auch erwartet, zumindest kennen wir das Phänomen von buddhistischen Tempeln. Der erste ist total beeindruckend, der zweite auch noch, aber spätestens beim fünften fängt man an sich zu langweilen. Bei den Mayas ging uns das aber gar nicht so, weil die Städte alle sehr unterschiedlich aufgebaut und gestaltet sind.

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Großartige Aussicht über Uxmal

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Die Wahrsagerpyramide in Uxmal

Nach einer weiteren Nacht in der Hacienda hieß unser Ziel für den Tag Mérida. Neben dem Marktplatz lief gerade ein Gesangswettbewerb für ältere Damen, was bei den Einheimischen anscheinend auf großes Interesse stieß. Wir kauften derweil auf dem Markt Souvenirs und landeten dann in einem deutschen Biergarten, in dem man deutsches Bier für 5 Euro trinken konnte. Am darauffolgenen Tag haben wir eine Cenote besucht, ein großes Kalksteinloch, das mit Süßwasser gefüllt ist. Für die alten Mayas waren sie heilig, heute kann man darin baden. Genau das haben wir auch getan, zusammen mit einigen anderen Touristen und Einheimischen.

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Gesangswettbewerb für ältere Damen

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Bei der Speisekarte kam ein bisschen Heimweh auf

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Cenote in Dzibilchaltun mit erfrischendem klaren blauen Wasser

Damit war unsere Rundreise durch Yucatan schon fast beendet, denn am nächsten Tag ging es zurück an die Ostküste. Auf der Rückfahrt gönnten wir uns aber noch ein Bad in der Grand Cenote mit vielen Schildkröten und einer faszinierenden Unterwasserlandschaft aus Felsen, Stalagmiten und Höhleneingängen.

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Grand Cenote

Die nächsten drei Tage verbrachten wir Puerto Aventuras in der Nähe von Playa del Carmen – eine komplett künstlich erschaffene Siedlung für reiche Mexikaner, Amerikaner und zwischendrin ein paar Urlauber. Unser kleines Hotel war umgeben von Luxusvillen und dahinter befand sich eine Wasserstraße mit Parkbuchten für die Yachten unserer Nachbarn. Etwas, was man als normaler Backpacker nicht zu Gesicht bekommen würde!

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Wir und unsere Nachbarn

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Nach den zwei gemeinsamen Wochen war es für Elke und Ralf Zeit nach Hause zu fliegen und für uns weiterzuziehen, wieder hinein ins Backpackerleben und auf ins nächste Land. Unser Ziel: Belize.

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3 Gedanken zu “Mexico: Mayawelt

  1. Elke Bertels schreibt:

    Hallo Ihr Zwei, vielen Dank für den Bericht. Es war eine schöne Zeit mit Euch und so konnte ich nochmal alles ein wenig in meine Erinnerung zurück rufen. Der Alltag hat mich doch sehr schnell wieder eingeholt, nachdem ich meinen Jet lag überwunden hatte. Viel Spaß und viel Glück noch auf Eurer Reise!
    Mutti Elke

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    • felix003 schreibt:

      Wir müssen auch immer wieder viel überlegen, was wir während den einzelnen Abschnitten unternommen haben, aber ich denk mal das was hängen bleibt und in unsere Berichte kommt ist das was auch wirklich spannend war. Ich denk auch das wenn wir wieder zurück kommen werden wir auch wieder schnell in unseren Alltag verfallen, den wir früher hatten. Was sollen wir auch anderes machen. Insbesondere für Anne wird das so sein, da sie ja in ihren alten Job zurück kehren wird. Aber bis dahin lassen wir es uns gut gehen.

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