Guatemala

Nach unserem kurzen Abstecher in die Karibik erwartete uns hinter der Grenze von Belize wieder unsere vertraute Latinowelt. Guatemala ist der mexikanischen Kultur sehr ähnlich, ist aber viel weniger entwickelt und damit noch nicht so verwestlicht. Viele der Annehmlichkeiten, die wir in Mexiko zu schätzen gelernt haben, waren auf einmal wieder verschwunden, wie etwa ein zuverlässiges Fernbusnetz. Nachdem wir mit dem Taxi das relativ kurze Stück von San Ignacio zur Grenze gefahren waren, erwartete uns der bisher unkomplizierteste Grenzübergang unserer Reise. Keine Schlange, keine großen Formalitäten, kein Geld bezahlen, einfach nur Stempel holen und durchlaufen. Zum Glück haben wir an der Grenze bei den dort herumlungernden Geldwechslern ein paar Dollars in die lokale Währung Quetzales getauscht, denn in Guatemala ist es nicht so einfach einen Geldautomaten zu finden. So hat unser Geld gerade so für den Bus und etwas zu essen gereicht. In Guatemala angekommen, wurden wir gleich angesprochen wo wir hinwollen und wurden dann bis zum Busbahnhof begleitet. Unser Ziel war das Dorf El Remate in der Nähe der berühmten Mayastätte Tikal im Osten des Landes. Im Minibus waren wir mal wieder die einzigen Touristen und wurden von den Einheimischen neugierig angeschaut.
Die nächsten drei Tage haben wir damit verbraucht absolut nichts zu tun, denn Felix hatte sich eine Ohrenentzündung zugezogen und so bestand unser Tagesablauf aus Frühstücken (gegen Mittag), Chillen und Lesen in der Hängematte sowie Abendessen. Währenddessen ist uns bewusst geworden, dass wir uns bisher so gut wie nie einen oder mehrere Tage Ruhe gegönnt und permanent zu viel Gas gegeben haben. Die erzwungene Pause tat uns beiden sehr gut und wir haben für uns die Entscheidung getroffen es ab jetzt etwas ruhiger angehen zu lassen.
Am vierten Tag ging es Felix schon viel besser, außerdem war sein Geburtstag und so entschieden wir uns sehr früh morgens nach Tikal zu fahren. Gegen 7 Uhr fuhren wir mit dem Colectivo zum Besucherzentrum, was etwas improvisierter wirkte als in Mexiko. Da die geführten Touren alle schon um 5 Uhr morgens starten, waren wir die erste Zeit fast alleine mit den Ruinen. Tikal liegt mitten im Regenwald und es führen lediglich Schotterwege von einem Tempel zum anderen. So verbrachten wir den ganzen Tag damit von einem Tempel zum anderen zu laufen und die eine oder andere Pyramide zu besteigen. Das Highlight sind die berühmten Zwillingspyramiden am zentralen Platz.
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Für uns persönlich am schönsten war jedoch die Aussicht von einer 60m hohen Pyramide am Rand des Areals, von der aus man einige wenige andere Pyramiden aus dem Urwald herausragen sehen konnte. Von dort oben konnten wir auch die berühmten Brüllaffen hören, deren Gebrüll eher an Löwen erinnert. Wir waren froh keinem dieser Exemplare persönlich begegnet zu sein.
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Am nächsten Tag ging unsere Reise ins nahegelegene Flores, ein fester Bestandteil in jeder Guatemalareise. Flores ist eine kleine Insel auf einem kleinen See und es gibt hier nicht viel zu tun außer durch die hübschen kleinen Gassen zu laufen und sich in einem Café niederzulassen. Außerdem gab es in unserem Hostel eine nette Dachterrasse mit Seeblick und Hängematten. Gegenüber befand sich offensichtlich eine Musikschule, wo den ganzen Nachmittag über Schüler ihre ersten Töne auf der Trompete übten. Die beiden Abende dort verbrachten wir mit unseren Hostelmitbewohnern in diversen Bars, was uns nach den paar Tagen Einsamkeit sehr gut tat.

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Weiter ging es für einen kurzen Stopp nach Semuc Champey, dem angeblich schönsten Ort in Guatemala. Bei glühender Hitze kann man hier einen Pfad hinaufsteigen und von oben die natürlichen Becken im Tal anschauen und anschließend wieder hinabsteigen und darin baden. Aber seht selbst:
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Nächste Station war für uns die schöne Kolonialstadt Antigua. Ähnlich wie wir das auch schon auf der Fahrt nach Semuc Champey getan hatten, fuhren wir mit 15 anderen Backpackern zusammengequetscht in einem Minibus 12 Stunden durchs Land (natürlich ohne Klimaanlage). Beide Fahrten verliefen nicht ohne Zwischenfälle. Bei der ersten Fahrt fanden wir uns nach einer Stunde in einem Stau wieder, der wegen einer kaputten Fähre entstanden war (es gab keine Brücke über den Fluss, sondern nur eine Fähre). Nach zwei Stunden des Wartens und einem Heiratsantrag von einem LKW-Fahrer an mich beschloss unser Fahrer einen großen Umweg zu fahren, da das mit der Fähre auf absehbare Zeit nichts mehr werden würde. So kamen wir mit etwa fünf Stunden Verspätung an. Auf der zweiten Fahrt wurden die Leute nach einer Stunde Fahrt von zwei Kleinbussen auf drei verteilt – worüber alle froh waren, da mehr Platz und so. Nach einer weiteren halben Stunde wurde aber einer der Busse plötzlich gebraucht um irgendwelche anderen Fahrgäste abzuholen und so mussten sich einige Leute wieder in die anderen beiden Busse reinquetschen. Aber so ist das nun mal in anderen Ländern, es ist oft nicht durchschaubar warum etwas so läuft wie es eben läuft.

In Antigua jedenfalls kamen wir kurz vor Sonnenuntergang an und machten uns auf den Weg zu einem kleinen Hotel, das wir uns vorher ausgesucht hatten. Die nächsten zwei Tage schlenderten wir durch die berühmte Kolonialstadt, besuchten diverse Ruinen und Kirchen und auch den einen oder anderen Geocache.
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An Tag Nummer drei hatten wir uns für eine Vulkanbesteigung des Pacaya angemeldet. Wie wir feststellen mussten, ging die Tour aber nur zu einem Aussichtspunkt gegenüber des Vulkans und anschließend über das Lavafeld. Der Pacaya ist momentan aktiv und kann nicht bestiegen werden. Mit unserer 15köpfigen Gruppe ging es 1,5 Stunden einen mittelmäßig steilen Weg hinauf. Verfolgt wurden wir von zwei Männern mit Pferden, die alle zwei Minuten laut „Taxi“ riefen. Zuerst dachten wir, wer bucht denn eine Vulkantour und ist dann nicht fit genug dafür. Aber bereits nach einer Viertelstunde wurden wir eines besseren belehrt und eine Mexikanerin stieg auf das erste „Taxi“. Nach einer weiteren Viertelstunde tat es ihr eine Kanadierin gleich, deren Mann eifrig die gesamte Wanderung mit der Videokamera festhielt.

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Die beiden Taxis

Nach so viel Kultur war uns mal wieder nach Urlaub zumute und so wurde als nächstes Ziel der Lago de Atitlan ausgewählt, genauer gesagt das Hippiedorf San Pedro La Laguna. Statt Touri-Kleinbus entschieden wir uns diesmal mit Chickenbuses zu fahren. Diese ausrangierten amerikanischen Schulbusse fahren zwischen benachbarten Städten hin und her und heißen so, weil die Leute darin so dicht zusammensitzen wie die Hühner auf der Stange. Chickenbus fahren ist unglaublich günstig und ist relativ einfach, man muss nur genau wissen wo man umsteigen muss. Fahrpläne oder dergleichen gibt es natürlich nicht. Also haben wir im Internet recherchiert und herausgefunden, dass wir mit vier verschiedenen Bussen fahren müssen. Am Busbahnhof in Antigua wussten wir gleich wo wir hin müssen, denn die Busassistenten verkünden ähnlich laut wie Marktschreier wohin die Reise geht um möglichst viele Fahrgäste zu gewinnen. Unsere Rucksäcke wurden unter der letzten Bank verstaut und los gings mit einem fast leeren Bus.
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Während der Fahrt durch Antigua hielt dieser aber alle 50m an um weitere Fahrgäste aufzunehmen. Es wurde ziemlich schnell eng, aber wir hatten Glück und keiner wollte sich mit zu uns auf die Sitzbank quetschen. Nach einer Stunde waren wir in der nächsten Stadt und plötzlich hielt der Bus an irgendeiner beliebigen Straße an und wir und ein zwei andere Backpacker sollten aussteigen. Wir waren etwas verwirrt, dachten uns aber, dass es wohl irgendeinen Sinn haben müsste. Als wir draußen noch mit den anderen beiden diskutierten was wir jetzt hier sollen, kam schon der nächste Bus und natürlich da wo wir hin wollten. Also schnell rein und weiter. Wie gesagt, manchmal weiß man nicht genau wie das funktioniert, aber irgendwie schickt einen immer jemand zum richtigen Zeitpunkt zum richtigen Ort. So ging das noch mit zwei weiteren Bussen und schließlich kamen wir in Panajachel am Lago de Atitlan an. Für die vierstündige Fahrt haben wir knapp vier Euro pro Person bezahlt und mussten nie länger als fünf Minuten auf den nächsten Bus warten. Jetzt mussten wir nur noch mit dem Boot über den See fahren und kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir San Pedro.

Dort war für die nächsten vier Tage gepflegtes Nichtstun angesagt (Mittagessen – Hängematte – Abendessen – Hängematte), das nur durch eine weitere Vulkanbesteigung auf den San Pedro unterbrochen wurde. Später haben wir erfahren, warum hier so viele Hippies rumhängen – angeblich werden hier regelmäßig illegale LSD-Partys im Wald veranstaltet. Tagsüber konnten wir immer beobachten wie sie mehr oder weniger erfolgreich versucht haben ihren selbstgemachten Schmuck auf der Straße zu verkaufen.

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Hippieleben in San Pedro

Nach vier Tagen ging es morgens 3:30 Uhr mit dem Bus los zu unserer letzten Station in Guatemala, Rio Dulce. Nach einer endlosen Busfahrt und einer Nacht bei 30°C in einem engen Hotelzimmer bestiegen wir morgens um 8 Uhr ein Boot den Rio Dulce hinauf nach Livingston an der Karibikküste. Die Fahrt durch den Urwald war ein sehr idyllisches Erlebnis und wir haben jede Menge Pelikane und Kormorane beobachtet.
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Die nächsten beiden Nächte verbrachten wir in Livingston in einem schönen Hostel im Grünen und verbrachten einen Tag am „Strand“, wobei man diesen eher als Müllkippe bezeichnen konnte. Die Geschichten vom Plastikmüll in den Weltmeeren kennt wohl jeder, aber mit eigenen Augen zu sehen was da alles angeschwemmt wird, ist einfach nur erschreckend. Nicht gerade ein guter letzter Eindruck von Guatemala, aber ansonsten hat sich uns das Land nur von seiner besten Seite gezeigt. Im Gegensatz zu Mexiko kann man hier noch ungestört vom Massentourismus die Natur und kulturelle Highlights genießen.

Anne

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