Kuba

Jetzt sind wir zwar schon einige Wochen wieder in Deutschland und haben uns schon wieder sehr gut in Deutschland eingewöhnt, aber den letzten Reisebericht wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten. Die letzten beiden Wochen unserer Reise waren in vielerlei Hinsicht anders als die Monate davor, was daran lag, dass in Kuba der Sozialismus nicht nur Fassade ist und viele Dinge anders laufen als sonst. Auf Kuba findet man sich nicht nur in einer anderen Kultur wieder, sondern auch in einer anderen Zeit. Bei der Ankunft am Flughafen in Havanna mussten wir feststellen, dass es nur einen einzigen Geldautomaten gibt, der zum Glück gerade Geld vorrätig hatte (was bei der Abreise nicht der Fall war). In Kuba gibt es zwei verschiedene Währungen, eine für Einheimische und eine für Touristen – das erste Novum für uns. Als Tourist mit der Einheimischen-Währung in Kontakt zu kommen ist nicht so einfach und auch nicht gewollt, denn diese ist praktisch nichts Wert. Folglich könnte man damit auch nicht viel Geld ausgeben. Ein Kubaner verdient im Monat 30-40 Euro – dementsprechend wenig kosten Konsumgüter. Für die Touristen liegt das Preisniveau hingegen nur knapp deutschen Verhältnissen, weshalb die Arbeit mit Touristen für Kubaner sehr lukrativ ist.

Die

Die „Skyline“ von Havanna

Aber mal von vorne: Nach unserer Landung in Havanna sind wir mit dem Taxi ca. 45 Minuten in die Stadt gefahren bis zu unserem Casa Particular, d.h. eine staatlich lizensierte Privatunterkunft in der Wohnung einer Familie. Leider wurde unser Klingeln nicht erhört, dafür kam ein hilfsbereiter Nachbar, ließ uns ins Haus und vermittelte uns an einen anderen Nachbarn, der noch ein Zimmer frei hatte. Offensichtlich war unsere Reservierung aufgrund des schlechten Internets noch nicht angekommen. Aber egal – wir hatten ein wirklich schönes Zimmer in einem Altbau mit eigenem Bad und Frühstück. Unser Gastgeber Mandy (ein Mann!) lebte dort allein und sein Tagesinhalt bestand darin Besuch zu empfangen und mit den Nachbarn rumzuhängen. Eine Übernachtung kostet 25 Dollar – soviel wie ein ganzes Monatsgehalt eines Kubaners. Arbeiten ist mit so einer Einnahmequelle also ziemlich unnötig. Havanna ist wirklich eine wunderschöne Stadt mit unzähligen Altbauten, die allerdings kurz vor dem Zerfall stehen. Jedes zweite Auto ist eines des berühmten alten amerikanischen Straßenkreuzer. Alles was man aus einer westlichen Großstadt gewöhnt ist, sucht man vergeblich – es gibt weder schicke Läden, Shopping Malls, hippe Cafés, Autohäuser, Supermärkte und vor allem keine Werbung. Als mir die Abwesenheit von Werbung nach ein paar Tagen auffiel, bemerkte ich, dass sie einem nicht nur nicht fehlt – man fühlt sich regelrecht befreit ohne die ständige Aufforderung zum Konsum tausender Dinge, die man ohnehin nicht braucht. Ohne die ständige Aufforderung irgendwas zu kaufen konnten wir uns ganz auf die Stadt und ihre Menschen konzentrieren. Die sozialistische Marktwirtschaft hat aber auch den Nachteil, dass wir manchmal eine halbe Stunde nach einer Flasche Wasser oder einem annehmbaren Restaurant suchen mussten – eine Situation, die wir noch in keinem Land erlebt haben, die uns aber einen Eindruck davon vermittelt hat, wie die Kubaner ihren Alltag erleben.

Havanna

Havanna

In Havanna gibt es einige Kirchen, Festungen und Pläze zu besichtigen, der eigentliche Charme geht aber von den unzähligen Kolonialgebäuden aus und natürlich von der Lebensfreude der Kubaner. Diese lassen sich die Menschen trotz der schwierigen Bedingungen, unter denen sie leben, nicht vermiesen und helfen sich gegenseitig so gut sie können. Geht man die Straße entlang, stehen meist die Türen offen und man sitzt mit seinen Nachbarn und Freunden im Wohnzimmer oder vor der Tür und verbringt seine Zeit zusammen. Was man aber nicht vergessen darf ist, dass den Menschen wegen des Mangels an Internet, Handys, Computern, Geld im Allgemeinen und Freizeit- und Reisemöglichkeiten auch nicht viel anderes übrig bleibt. Sobald es übrigens an die Verhandlungen über den Preis für eine Taxifahrt geht, ist es mit der sozialistischen Einstellung ganz schnell vorbei und die Dollarzeichen leuchten in den Augen der Menschen wie in jedem anderen Land auch. Durch Zufall konnten wir ein beeindruckendes Lichtschauspiel beobachten, ein sog. 22° Halo, das aussieht wie ein Regenbogen um die Sonne: P1070622Nach drei Tagen Sightseeing in Havanna machten wir uns auf den Weg nach Cienfuegos, einer kleinen Stadt im Süden des Landes. Hier schien die Zeit noch mehr stehen geblieben zu sein als in Havanna, denn hier sind Pferdekutschen das häufigste Transportmittel, es gibt ein einziges Internetcafé und nach WLAN braucht man gar nicht erst zu fragen.

Freizeitgestaltung noch ganz analog

Freizeitgestaltung noch ganz analog

Die nächsten drei Tage verbrachten wir in Playa Giron in der Schweinebucht mit in der Sonne rumliegen und Tauchen und Cuba Libre trinken mit unseren neuen Freunden aus Neuseeland, Deutschland und Kanada, die wir beim Tauchen kennengelernt haben. Reisen ist in Kuba wie alles andere etwas schwieriger als sonst. Weil es kaum Internet gibt (in den Casa Particulares schon gar nicht), kann man sich nicht im Internet oder Foren informieren wie man irgendwo hinkommt oder was man unternehmen kann. Es gibt nur eine (staatliche) Busgesellschaft für Touristen und um die Abfahrtszeiten herauszufinden muss man einen Tag vorher zum Busbahnhof fahren, die Mitarbeiter fragen und am besten schonmal ein Ticket kaufen. Die nächste Unterkunft lässt man sich entweder in seinem aktuellen Casa buchen (die kennen immer überall jemanden), fragt den Taxifahrer oder läuft durch die Straßen und klingelt irgendwo, wo das Symbol für Casa Particulares an der Tür hängt. Wir haben alle Varianten ausprobiert und immer nur gute Erfahrungen gemacht.

Felix & Julian

Felix & Julian

Wieder zurück in Cienfuegos, ist der Bruder von Felix zu uns gestoßen und hat uns für den Rest der Reise begleitet. Einen Tag später sind wir mit dem Taxi in die schöne kleine Kolonialstadt Trinidad gefahren und haben uns zum ersten Mal einen klassischen Salsaabend zu Gemüte geführt. Das heißt ein paar kubanische Pärchen tanzen und die Touris schauen zu und bestellen sich Cuba Libre und natürlich spielt eine Liveband. In Trinidad wollten wir eigentlich eine Wanderung durch die nahegelegenen Berge machen und haben uns dazu ein Taxi bestellt, welches sich als schrottreifer Lada entpuppte, der es immerhin fast immer den Berg hoch schaffte. Außer einmal, aber man kann sich ja auch wieder rückwärts runterrollen lassen und es nochmal versuchen. Als Ausflugsziel hatten wir uns einen Wasserfall ausgesucht, für den wir dann aber 8 Euro bezahlen sollten und deswegen lieber den Rückweg angetreten haben. Außerdem sollten wir für die 1,5km lange Strecke noch einen Guide mitnehmen, weil der Weg so schwierig zu finden und nicht ausgeschildert sei – was sich als unwahr herausgestellt hat. Aber zum Glück haben wir die Finte gerochen und sind alleine losgezogen.

Das

Das „Auto“

Nach zwei Tagen ging es mit dem Bus weiter nach Varadero, ein Strandparadies östlich von Havanna, das ausschließlich ausländischen Touristen vorbehalten ist. Hier gibt es den weißesten Strand und das blauste Meer, das wir auf unserer gesamten Reise gesehen haben. Zwischen Strand und Cuba Libra war noch ein bisschen Zeit für Tauchen, Geocachen und … hatte ich schon Cuba Libre erwähnt?

Das ist keine Postkarte!

Chillen am Strand von Varadero

Nach diesem entspannten Abschluss unserer Kuba-Reise haben wir uns wieder auf den Weg nach Havanna gemacht um unser Flugzeug Richtung Europa zu erwischen. Damit ging nach fast genau 250 Tagen ganz unspektakulär unsere Weltreise zu Ende.

Che ist dein ständiger Begleiter in Kuba

Che ist dein ständiger Begleiter in Kuba

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