Kuba

Jetzt sind wir zwar schon einige Wochen wieder in Deutschland und haben uns schon wieder sehr gut in Deutschland eingewöhnt, aber den letzten Reisebericht wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten. Die letzten beiden Wochen unserer Reise waren in vielerlei Hinsicht anders als die Monate davor, was daran lag, dass in Kuba der Sozialismus nicht nur Fassade ist und viele Dinge anders laufen als sonst. Auf Kuba findet man sich nicht nur in einer anderen Kultur wieder, sondern auch in einer anderen Zeit. Bei der Ankunft am Flughafen in Havanna mussten wir feststellen, dass es nur einen einzigen Geldautomaten gibt, der zum Glück gerade Geld vorrätig hatte (was bei der Abreise nicht der Fall war). In Kuba gibt es zwei verschiedene Währungen, eine für Einheimische und eine für Touristen – das erste Novum für uns. Als Tourist mit der Einheimischen-Währung in Kontakt zu kommen ist nicht so einfach und auch nicht gewollt, denn diese ist praktisch nichts Wert. Folglich könnte man damit auch nicht viel Geld ausgeben. Ein Kubaner verdient im Monat 30-40 Euro – dementsprechend wenig kosten Konsumgüter. Für die Touristen liegt das Preisniveau hingegen nur knapp deutschen Verhältnissen, weshalb die Arbeit mit Touristen für Kubaner sehr lukrativ ist.

Die

Die „Skyline“ von Havanna

Aber mal von vorne: Nach unserer Landung in Havanna sind wir mit dem Taxi ca. 45 Minuten in die Stadt gefahren bis zu unserem Casa Particular, d.h. eine staatlich lizensierte Privatunterkunft in der Wohnung einer Familie. Leider wurde unser Klingeln nicht erhört, dafür kam ein hilfsbereiter Nachbar, ließ uns ins Haus und vermittelte uns an einen anderen Nachbarn, der noch ein Zimmer frei hatte. Offensichtlich war unsere Reservierung aufgrund des schlechten Internets noch nicht angekommen. Aber egal – wir hatten ein wirklich schönes Zimmer in einem Altbau mit eigenem Bad und Frühstück. Unser Gastgeber Mandy (ein Mann!) lebte dort allein und sein Tagesinhalt bestand darin Besuch zu empfangen und mit den Nachbarn rumzuhängen. Eine Übernachtung kostet 25 Dollar – soviel wie ein ganzes Monatsgehalt eines Kubaners. Arbeiten ist mit so einer Einnahmequelle also ziemlich unnötig. Havanna ist wirklich eine wunderschöne Stadt mit unzähligen Altbauten, die allerdings kurz vor dem Zerfall stehen. Jedes zweite Auto ist eines des berühmten alten amerikanischen Straßenkreuzer. Alles was man aus einer westlichen Großstadt gewöhnt ist, sucht man vergeblich – es gibt weder schicke Läden, Shopping Malls, hippe Cafés, Autohäuser, Supermärkte und vor allem keine Werbung. Als mir die Abwesenheit von Werbung nach ein paar Tagen auffiel, bemerkte ich, dass sie einem nicht nur nicht fehlt – man fühlt sich regelrecht befreit ohne die ständige Aufforderung zum Konsum tausender Dinge, die man ohnehin nicht braucht. Ohne die ständige Aufforderung irgendwas zu kaufen konnten wir uns ganz auf die Stadt und ihre Menschen konzentrieren. Die sozialistische Marktwirtschaft hat aber auch den Nachteil, dass wir manchmal eine halbe Stunde nach einer Flasche Wasser oder einem annehmbaren Restaurant suchen mussten – eine Situation, die wir noch in keinem Land erlebt haben, die uns aber einen Eindruck davon vermittelt hat, wie die Kubaner ihren Alltag erleben.

Havanna

Havanna

In Havanna gibt es einige Kirchen, Festungen und Pläze zu besichtigen, der eigentliche Charme geht aber von den unzähligen Kolonialgebäuden aus und natürlich von der Lebensfreude der Kubaner. Diese lassen sich die Menschen trotz der schwierigen Bedingungen, unter denen sie leben, nicht vermiesen und helfen sich gegenseitig so gut sie können. Geht man die Straße entlang, stehen meist die Türen offen und man sitzt mit seinen Nachbarn und Freunden im Wohnzimmer oder vor der Tür und verbringt seine Zeit zusammen. Was man aber nicht vergessen darf ist, dass den Menschen wegen des Mangels an Internet, Handys, Computern, Geld im Allgemeinen und Freizeit- und Reisemöglichkeiten auch nicht viel anderes übrig bleibt. Sobald es übrigens an die Verhandlungen über den Preis für eine Taxifahrt geht, ist es mit der sozialistischen Einstellung ganz schnell vorbei und die Dollarzeichen leuchten in den Augen der Menschen wie in jedem anderen Land auch. Durch Zufall konnten wir ein beeindruckendes Lichtschauspiel beobachten, ein sog. 22° Halo, das aussieht wie ein Regenbogen um die Sonne: P1070622Nach drei Tagen Sightseeing in Havanna machten wir uns auf den Weg nach Cienfuegos, einer kleinen Stadt im Süden des Landes. Hier schien die Zeit noch mehr stehen geblieben zu sein als in Havanna, denn hier sind Pferdekutschen das häufigste Transportmittel, es gibt ein einziges Internetcafé und nach WLAN braucht man gar nicht erst zu fragen.

Freizeitgestaltung noch ganz analog

Freizeitgestaltung noch ganz analog

Die nächsten drei Tage verbrachten wir in Playa Giron in der Schweinebucht mit in der Sonne rumliegen und Tauchen und Cuba Libre trinken mit unseren neuen Freunden aus Neuseeland, Deutschland und Kanada, die wir beim Tauchen kennengelernt haben. Reisen ist in Kuba wie alles andere etwas schwieriger als sonst. Weil es kaum Internet gibt (in den Casa Particulares schon gar nicht), kann man sich nicht im Internet oder Foren informieren wie man irgendwo hinkommt oder was man unternehmen kann. Es gibt nur eine (staatliche) Busgesellschaft für Touristen und um die Abfahrtszeiten herauszufinden muss man einen Tag vorher zum Busbahnhof fahren, die Mitarbeiter fragen und am besten schonmal ein Ticket kaufen. Die nächste Unterkunft lässt man sich entweder in seinem aktuellen Casa buchen (die kennen immer überall jemanden), fragt den Taxifahrer oder läuft durch die Straßen und klingelt irgendwo, wo das Symbol für Casa Particulares an der Tür hängt. Wir haben alle Varianten ausprobiert und immer nur gute Erfahrungen gemacht.

Felix & Julian

Felix & Julian

Wieder zurück in Cienfuegos, ist der Bruder von Felix zu uns gestoßen und hat uns für den Rest der Reise begleitet. Einen Tag später sind wir mit dem Taxi in die schöne kleine Kolonialstadt Trinidad gefahren und haben uns zum ersten Mal einen klassischen Salsaabend zu Gemüte geführt. Das heißt ein paar kubanische Pärchen tanzen und die Touris schauen zu und bestellen sich Cuba Libre und natürlich spielt eine Liveband. In Trinidad wollten wir eigentlich eine Wanderung durch die nahegelegenen Berge machen und haben uns dazu ein Taxi bestellt, welches sich als schrottreifer Lada entpuppte, der es immerhin fast immer den Berg hoch schaffte. Außer einmal, aber man kann sich ja auch wieder rückwärts runterrollen lassen und es nochmal versuchen. Als Ausflugsziel hatten wir uns einen Wasserfall ausgesucht, für den wir dann aber 8 Euro bezahlen sollten und deswegen lieber den Rückweg angetreten haben. Außerdem sollten wir für die 1,5km lange Strecke noch einen Guide mitnehmen, weil der Weg so schwierig zu finden und nicht ausgeschildert sei – was sich als unwahr herausgestellt hat. Aber zum Glück haben wir die Finte gerochen und sind alleine losgezogen.

Das

Das „Auto“

Nach zwei Tagen ging es mit dem Bus weiter nach Varadero, ein Strandparadies östlich von Havanna, das ausschließlich ausländischen Touristen vorbehalten ist. Hier gibt es den weißesten Strand und das blauste Meer, das wir auf unserer gesamten Reise gesehen haben. Zwischen Strand und Cuba Libra war noch ein bisschen Zeit für Tauchen, Geocachen und … hatte ich schon Cuba Libre erwähnt?

Das ist keine Postkarte!

Chillen am Strand von Varadero

Nach diesem entspannten Abschluss unserer Kuba-Reise haben wir uns wieder auf den Weg nach Havanna gemacht um unser Flugzeug Richtung Europa zu erwischen. Damit ging nach fast genau 250 Tagen ganz unspektakulär unsere Weltreise zu Ende.

Che ist dein ständiger Begleiter in Kuba

Che ist dein ständiger Begleiter in Kuba

Advertisements
Standard

Rasten und Reisen

Hallo liebe Lesergemeinde, nun sind wir schon wieder in Europa, aber haben wohl noch den ein oder anderen Reisebericht nachzuholen um diesen Blog ohne Lücken abzuschließen.
Nach unserer Reise durch Guatemala sind wir an einem regnerischen Morgen per Boot von Livingston – welches übrigens keine Straßenverbindung nach außen besitzt, obwohl es auf dem Festland ist – nach Puerto Barrios aufgebrochen, von dort aus mit einem Minibus nach La Ceiba (Honduras) um dann mit der Fähre auf die Backpackerinsel Útila. Diese Reise haben wir mit 2 Leuten aus unserem Hostel, wo wir die Reise gebucht hatten, und 2 weiteren Deutschen bestritten, die wir im Minibus kennen lernten. Auf Útila verbrachten wir die ersten Tage mit unserem in letzter Zeit üblichen Nixtun und Ausruhen von der langen anstrengenden Reise, immerhin waren es wieder um die 13 Stunden Boot-Bus-Boot. Danach verfolgten wir aber doch unseren Plan und gingen zur Tauchschule, wo wir uns kurzfristig dazu entschlossen unseren Advanced-Open-Water-Diver zu machen. Wir verbrachten also die nächsten 3 Tage mit Theorie und Praxis. Das heißt das Lehrbuch studieren und einen Fragebogen beantworten, der dann mit unserer Gruppe und unserem französischen Tauchlehrer zusammen besprochen wurden. Inhalt des Kurses war ein Tauchgang zu einem Schiffswrack, was eigens für Tauchzwecke versenkt wurde. Weiterhin war ein Tauchgang mit bis zu 35m Tiefe dabei, den wir an einer Steilwand machten. So tief unter Wasser kann einen die sog. Stickstoffnarkose erwischen, die einen euphorisch werden und etwas langsamer denken lässt. Um zu erfahren wie langsam man wird haben wir einen Schnelligkeitstest mit Zahlen über und unter Wasser gemacht um zu sehen, wie dies unsere Fähigkeiten beeinträchtigt (Ergebnis: wir waren um die Hälfte langsamer). Zum Schluss zeigte unser Tauchlehrer eine leere Plastikflasche, die durch den Druck in der Tiefe komplett zusammen gedrückt war. Diese Flasche füllte er unter Wasser wieder mit Luft und ließ sie zurück an der Oberfläche ‚explodieren‘ durch simples Öffnen. Zudem gab es noch Koordinationsübungen mit dem Kompass sowie Übungen und Spielchen zur Kontrolle und Training der sogenannten ‚Buoyancy‘ oder auch Auftrieb. Zum Abschluss des Kurses gab es am letzten Tag noch einen Nachttauchgang, wo wir in der Dämmerung mit dem Boot rausgefahren sind und nur mit einer Taschenlampe bewaffnet in die Tiefe des Meeres abgetaucht sind um Kraken, Flundern, Krebse und Fische bei der Nachtruhe zu beobachten.

image

Gleich geht's ab in die Tiefe

Nach dem Nachttauchgang wurde unser bestandenes Taucherzertifikat mit unseren ,Mitschülern‘ gefeiert. Zum Glück ist direkt neben der Tauchschule eine der am meisten frequentierten Bars der Insel, in der wir uns danach niedergelassen haben und ein paar Biere zu uns nahmen (für Anne natürlich Rum Cola, denn Bier ist immer noch nicht ihr Freund). Da waren also ein Australier und ein Engländer und später noch ein paar Amerikanerinnen, mit denen wir uns über das Backpackerleben austauschten. Die zweite Hälfte des Abends verbrachten wir bei weiteren Cuba Libres in der Nachbarbar, bis die Musik aus- und die Sonne langsam aufging.

image

Unser hoteleigener Steg

Bei Útila handelt es sich noch um eine wirkliche Backpackerinsel, auf der es so gut wie keine Familien oder Pauschalurlauber gibt und auch keine Hotelanlagen, sondern nur kleine Pensionen. Das wird vermutlich auch so bleiben, denn mehr als Tauchen und Party hat die Insel nicht zu bieten. Sie hat zudem den Ruf, dass die Leute hierherkommen und dann hängenbleiben. So ist es auch uns ergangen. Durch die familiäre Atmosphäre in der Tauchschule hatten wir die ganze Zeit die gleichen Leute um uns und konnten nicht mehr die Dorfstraße entlanglaufen ohne auf bekannte Gesichter zu treffen. So verbrachten wir unsere Tage mit Tauchen oder Chillen und die Abende mit unseren neugewonnenen Freunden in den drei Bars der Insel. Ein Highlight war noch ein Nachmittagsausflug zu einer kleinen traumhaften unbewohnten Insel mit Palmen und Hängematten. Nach 10 Tagen auf Útila haben wir aber dann doch den Absprung geschafft. Nach der Spanischschule in Puebla war dies unser zweitlängster Aufenthalt an einem Ort. Vor allem war es schön mal wieder eine längere Zeit mit den gleichen Menschen umgeben zu sein.

image

Chillen auf der unbewohnten Miniinsel Water Caye

Auf nach Panama:
Alles hat eine Ende und so fuhren wir etwas bedrückt von der Insel und machten uns auf den Weg nach Nicaragua an die Pazifikküste um dort surfen zu lernen. Es gab zwei Wege, einer mit einem Tourishuttle, sprich Minibus von La Ceiba direkt nach León oder als erstes mit dem Bus von La Ceiba nach Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras, dort eine Nacht schlafen und am nächsten Tag weiter nach Nicaragua. Da wir aber keine Lust hatten auf 15 Stunden Minibus und es nicht eilig hatten, haben wir uns für die Option mit einer Nacht in Tegucigalpa entschieden. Tegucigalpa ist wie alle Hauptstädte Zentralamerikas für Gringos -Weiße- vor allem in der Nacht ziemlich gefährlich. Also raus aus dem Bus, rein ins Taxi und zum Hotel. Am nächsten Tag sind wir dann wieder zum Busbahnhof gefahren und weiter nach Nicaragua, erst nach León und von da aus in den verschlafenen kleinen Strandort Las Peñitas. Dort erinnerte es einen irgendwie an ein brandenburgisches Dorf, überall Sand, verlassene Häuser und keine Menschenseele auf der Straße. Hier verbrachten wir 3 Tage mit so ziemlich nix, was heißt lesen, baden und Internet. Den Surfkurs hab ich dann hier doch nicht gemacht und anstatt dessen mir nur ein Bodyboard ausgeliehen um in den Wellen ein wenig Spaß zu haben.

image

Mal wieder relaxen...

Dann ging es auch schon wieder weiter auf einen sehr abenteuerlichen Ritt auf die Insel Ometepe in Nicaragua. Diese Reise sah in etwa so aus: Bus, Taxi (León); Bus, Taxi (Managua); Bus, Taxi (Rivas); Fähre, Bus und dann waren wir auch schon auf der Insel Ometepe -mit seinen 2 Vulkanen- in dem kleinen Ort Altagracia. Diese Fahrt war wohl für uns die abwechslungsreichste und abenteuerlichste, hat uns 11 Euro pro Person gekostet und 11 Stunden gedauert. Auf Ometepe haben wir 3 Tage verbracht und unsere Aktivitäten beschränkten sich mal wieder auf das übliche, also Essen, lesen, chillen und  spazieren gehen. Eigentlich wollten wir auf einen der beiden Vulkane hoch, aber da unser Guide an dem vereinbarten Morgen nicht um 5:30 Uhr, sondern erst gegen 8 aufschlug, nachdem unser Hotelmanager ihn aus dem Bett geholt hatte, sind wir dann nur zu einer Art Waldbad gefahren und haben uns dort erholt.

image

Diesen Vulkan haben wir dann doch nicht bestiegen

Die weitere Reise mit dem großen Ziel Panama näherte sich dem Ende, aber nach Ometepe machten wir noch ein paar Tage halt in der Haupstadt Costa Ricas, San Jose. Hier besuchten wir ein sehr kleines Museum für Zeitgenössische Kunst, wo wir Alex wieder trafen, die wir in Guatemala kennen gelernt hatten. Die letzte Etappe bis nach Panama City legten wir dann in einer 21stündigen Busfahrt zurück. Der Grenzübertritt nach Panama war ziemlich zeitraubend (zwei Stunden), danach erwartete uns allerdings die Nachricht, dass Demonstranten die Brücke vor uns besetzt halten und diese erst in vier Stunden geräumt wird. Aber derartige Vorfälle kennen wir ja schon und haben uns deshalb nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Panama City hat einige schöne alte Viertel, Kirchen, Museen und Plazas. Die größte Attraktion ist aber zweifellos der Panamakanal, dem wir natürlich auch einen Besuch abstatteten. Für „nur“ 15 Dollar kann man von einer Besucherplattform aus den Schiffen beim Durchqueren einer Schleuse zusehen. Das Ganze wird live von einem Mitarbeiter auf Spanisch und Englisch kommentiert wie in einem Fußballspiel. Wir hatten die Gelegenheit drei Öltanker zu beobachten, wie sie von vier Lokomotiven in die erste Kammer gezogen wurden. Dann wird das Wasser abgelassen (ca. 10m) und schließlich werden die Schiffe in die zweite Kammer gezogen, wo sie nochmals um 10m abgesenkt werden. Dann werden sie wieder „in die Freiheit entlassen“. Für ein vollbeladenes Containerschiff kostet es übrigens um die 450.000 Dollar den Panamakanal zu durchqueren.

image

Das Schiff wird von den 4 Lokomotiven in die Schleuse gezogen...

image

... dann wird der Wasserspiegel abgesenkt

Nachdem wir durch die letzten Länder mehr oder weniger hektisch hindurchgerauscht sind waren wir in Panama City ziemlich erschöpft und hatten mit einer zunehmenden Reisemüdigkeit zu kämpfen. Das immer näher rückende Ende unserer Reise tat da ihr übriges. Aber jetzt wartete noch die allerletzte Etappe auf uns: zwei Wochen auf Kuba. Aber davon erzählen wir euch im nächsten Beitrag.

Standard

Guatemala

Nach unserem kurzen Abstecher in die Karibik erwartete uns hinter der Grenze von Belize wieder unsere vertraute Latinowelt. Guatemala ist der mexikanischen Kultur sehr ähnlich, ist aber viel weniger entwickelt und damit noch nicht so verwestlicht. Viele der Annehmlichkeiten, die wir in Mexiko zu schätzen gelernt haben, waren auf einmal wieder verschwunden, wie etwa ein zuverlässiges Fernbusnetz. Nachdem wir mit dem Taxi das relativ kurze Stück von San Ignacio zur Grenze gefahren waren, erwartete uns der bisher unkomplizierteste Grenzübergang unserer Reise. Keine Schlange, keine großen Formalitäten, kein Geld bezahlen, einfach nur Stempel holen und durchlaufen. Zum Glück haben wir an der Grenze bei den dort herumlungernden Geldwechslern ein paar Dollars in die lokale Währung Quetzales getauscht, denn in Guatemala ist es nicht so einfach einen Geldautomaten zu finden. So hat unser Geld gerade so für den Bus und etwas zu essen gereicht. In Guatemala angekommen, wurden wir gleich angesprochen wo wir hinwollen und wurden dann bis zum Busbahnhof begleitet. Unser Ziel war das Dorf El Remate in der Nähe der berühmten Mayastätte Tikal im Osten des Landes. Im Minibus waren wir mal wieder die einzigen Touristen und wurden von den Einheimischen neugierig angeschaut.
Die nächsten drei Tage haben wir damit verbraucht absolut nichts zu tun, denn Felix hatte sich eine Ohrenentzündung zugezogen und so bestand unser Tagesablauf aus Frühstücken (gegen Mittag), Chillen und Lesen in der Hängematte sowie Abendessen. Währenddessen ist uns bewusst geworden, dass wir uns bisher so gut wie nie einen oder mehrere Tage Ruhe gegönnt und permanent zu viel Gas gegeben haben. Die erzwungene Pause tat uns beiden sehr gut und wir haben für uns die Entscheidung getroffen es ab jetzt etwas ruhiger angehen zu lassen.
Am vierten Tag ging es Felix schon viel besser, außerdem war sein Geburtstag und so entschieden wir uns sehr früh morgens nach Tikal zu fahren. Gegen 7 Uhr fuhren wir mit dem Colectivo zum Besucherzentrum, was etwas improvisierter wirkte als in Mexiko. Da die geführten Touren alle schon um 5 Uhr morgens starten, waren wir die erste Zeit fast alleine mit den Ruinen. Tikal liegt mitten im Regenwald und es führen lediglich Schotterwege von einem Tempel zum anderen. So verbrachten wir den ganzen Tag damit von einem Tempel zum anderen zu laufen und die eine oder andere Pyramide zu besteigen. Das Highlight sind die berühmten Zwillingspyramiden am zentralen Platz.
image

Für uns persönlich am schönsten war jedoch die Aussicht von einer 60m hohen Pyramide am Rand des Areals, von der aus man einige wenige andere Pyramiden aus dem Urwald herausragen sehen konnte. Von dort oben konnten wir auch die berühmten Brüllaffen hören, deren Gebrüll eher an Löwen erinnert. Wir waren froh keinem dieser Exemplare persönlich begegnet zu sein.
image

Am nächsten Tag ging unsere Reise ins nahegelegene Flores, ein fester Bestandteil in jeder Guatemalareise. Flores ist eine kleine Insel auf einem kleinen See und es gibt hier nicht viel zu tun außer durch die hübschen kleinen Gassen zu laufen und sich in einem Café niederzulassen. Außerdem gab es in unserem Hostel eine nette Dachterrasse mit Seeblick und Hängematten. Gegenüber befand sich offensichtlich eine Musikschule, wo den ganzen Nachmittag über Schüler ihre ersten Töne auf der Trompete übten. Die beiden Abende dort verbrachten wir mit unseren Hostelmitbewohnern in diversen Bars, was uns nach den paar Tagen Einsamkeit sehr gut tat.

image

Weiter ging es für einen kurzen Stopp nach Semuc Champey, dem angeblich schönsten Ort in Guatemala. Bei glühender Hitze kann man hier einen Pfad hinaufsteigen und von oben die natürlichen Becken im Tal anschauen und anschließend wieder hinabsteigen und darin baden. Aber seht selbst:
image

Nächste Station war für uns die schöne Kolonialstadt Antigua. Ähnlich wie wir das auch schon auf der Fahrt nach Semuc Champey getan hatten, fuhren wir mit 15 anderen Backpackern zusammengequetscht in einem Minibus 12 Stunden durchs Land (natürlich ohne Klimaanlage). Beide Fahrten verliefen nicht ohne Zwischenfälle. Bei der ersten Fahrt fanden wir uns nach einer Stunde in einem Stau wieder, der wegen einer kaputten Fähre entstanden war (es gab keine Brücke über den Fluss, sondern nur eine Fähre). Nach zwei Stunden des Wartens und einem Heiratsantrag von einem LKW-Fahrer an mich beschloss unser Fahrer einen großen Umweg zu fahren, da das mit der Fähre auf absehbare Zeit nichts mehr werden würde. So kamen wir mit etwa fünf Stunden Verspätung an. Auf der zweiten Fahrt wurden die Leute nach einer Stunde Fahrt von zwei Kleinbussen auf drei verteilt – worüber alle froh waren, da mehr Platz und so. Nach einer weiteren halben Stunde wurde aber einer der Busse plötzlich gebraucht um irgendwelche anderen Fahrgäste abzuholen und so mussten sich einige Leute wieder in die anderen beiden Busse reinquetschen. Aber so ist das nun mal in anderen Ländern, es ist oft nicht durchschaubar warum etwas so läuft wie es eben läuft.

In Antigua jedenfalls kamen wir kurz vor Sonnenuntergang an und machten uns auf den Weg zu einem kleinen Hotel, das wir uns vorher ausgesucht hatten. Die nächsten zwei Tage schlenderten wir durch die berühmte Kolonialstadt, besuchten diverse Ruinen und Kirchen und auch den einen oder anderen Geocache.
image

An Tag Nummer drei hatten wir uns für eine Vulkanbesteigung des Pacaya angemeldet. Wie wir feststellen mussten, ging die Tour aber nur zu einem Aussichtspunkt gegenüber des Vulkans und anschließend über das Lavafeld. Der Pacaya ist momentan aktiv und kann nicht bestiegen werden. Mit unserer 15köpfigen Gruppe ging es 1,5 Stunden einen mittelmäßig steilen Weg hinauf. Verfolgt wurden wir von zwei Männern mit Pferden, die alle zwei Minuten laut „Taxi“ riefen. Zuerst dachten wir, wer bucht denn eine Vulkantour und ist dann nicht fit genug dafür. Aber bereits nach einer Viertelstunde wurden wir eines besseren belehrt und eine Mexikanerin stieg auf das erste „Taxi“. Nach einer weiteren Viertelstunde tat es ihr eine Kanadierin gleich, deren Mann eifrig die gesamte Wanderung mit der Videokamera festhielt.

image

Die beiden Taxis

Nach so viel Kultur war uns mal wieder nach Urlaub zumute und so wurde als nächstes Ziel der Lago de Atitlan ausgewählt, genauer gesagt das Hippiedorf San Pedro La Laguna. Statt Touri-Kleinbus entschieden wir uns diesmal mit Chickenbuses zu fahren. Diese ausrangierten amerikanischen Schulbusse fahren zwischen benachbarten Städten hin und her und heißen so, weil die Leute darin so dicht zusammensitzen wie die Hühner auf der Stange. Chickenbus fahren ist unglaublich günstig und ist relativ einfach, man muss nur genau wissen wo man umsteigen muss. Fahrpläne oder dergleichen gibt es natürlich nicht. Also haben wir im Internet recherchiert und herausgefunden, dass wir mit vier verschiedenen Bussen fahren müssen. Am Busbahnhof in Antigua wussten wir gleich wo wir hin müssen, denn die Busassistenten verkünden ähnlich laut wie Marktschreier wohin die Reise geht um möglichst viele Fahrgäste zu gewinnen. Unsere Rucksäcke wurden unter der letzten Bank verstaut und los gings mit einem fast leeren Bus.
image

Während der Fahrt durch Antigua hielt dieser aber alle 50m an um weitere Fahrgäste aufzunehmen. Es wurde ziemlich schnell eng, aber wir hatten Glück und keiner wollte sich mit zu uns auf die Sitzbank quetschen. Nach einer Stunde waren wir in der nächsten Stadt und plötzlich hielt der Bus an irgendeiner beliebigen Straße an und wir und ein zwei andere Backpacker sollten aussteigen. Wir waren etwas verwirrt, dachten uns aber, dass es wohl irgendeinen Sinn haben müsste. Als wir draußen noch mit den anderen beiden diskutierten was wir jetzt hier sollen, kam schon der nächste Bus und natürlich da wo wir hin wollten. Also schnell rein und weiter. Wie gesagt, manchmal weiß man nicht genau wie das funktioniert, aber irgendwie schickt einen immer jemand zum richtigen Zeitpunkt zum richtigen Ort. So ging das noch mit zwei weiteren Bussen und schließlich kamen wir in Panajachel am Lago de Atitlan an. Für die vierstündige Fahrt haben wir knapp vier Euro pro Person bezahlt und mussten nie länger als fünf Minuten auf den nächsten Bus warten. Jetzt mussten wir nur noch mit dem Boot über den See fahren und kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir San Pedro.

Dort war für die nächsten vier Tage gepflegtes Nichtstun angesagt (Mittagessen – Hängematte – Abendessen – Hängematte), das nur durch eine weitere Vulkanbesteigung auf den San Pedro unterbrochen wurde. Später haben wir erfahren, warum hier so viele Hippies rumhängen – angeblich werden hier regelmäßig illegale LSD-Partys im Wald veranstaltet. Tagsüber konnten wir immer beobachten wie sie mehr oder weniger erfolgreich versucht haben ihren selbstgemachten Schmuck auf der Straße zu verkaufen.

image

Hippieleben in San Pedro

Nach vier Tagen ging es morgens 3:30 Uhr mit dem Bus los zu unserer letzten Station in Guatemala, Rio Dulce. Nach einer endlosen Busfahrt und einer Nacht bei 30°C in einem engen Hotelzimmer bestiegen wir morgens um 8 Uhr ein Boot den Rio Dulce hinauf nach Livingston an der Karibikküste. Die Fahrt durch den Urwald war ein sehr idyllisches Erlebnis und wir haben jede Menge Pelikane und Kormorane beobachtet.
image

image

Die nächsten beiden Nächte verbrachten wir in Livingston in einem schönen Hostel im Grünen und verbrachten einen Tag am „Strand“, wobei man diesen eher als Müllkippe bezeichnen konnte. Die Geschichten vom Plastikmüll in den Weltmeeren kennt wohl jeder, aber mit eigenen Augen zu sehen was da alles angeschwemmt wird, ist einfach nur erschreckend. Nicht gerade ein guter letzter Eindruck von Guatemala, aber ansonsten hat sich uns das Land nur von seiner besten Seite gezeigt. Im Gegensatz zu Mexiko kann man hier noch ungestört vom Massentourismus die Natur und kulturelle Highlights genießen.

Anne

Standard

Mexico: Mayawelt

Die nächsten zwei Wochen waren für uns das volle Kontrastprogramm, was die Art des Reisens anging. Wie schon angekündigt, begleiteten uns die Eltern von Felix für zwei Wochen und so waren luxuriöse Hotels statt Hostel angesagt, Mietwagen statt Bus und Restaurant statt lokale Imbissbude. Fühlte sich manchmal etwas dekadent an, aber wir haben den seltenen Luxus in vollen Zügen genossen. Für die ersten drei Tage war erstmal Strandurlaub und Jetleg auskurieren für Felix‘ Eltern (auch Elke und Ralf genannt) in Playa del Carmen angesagt. Die Stadt war nicht wirklich nach unserem Geschmack: ausschließlich amerikanische und kanadische Pauschaltouristen, die sich an den für sie gedachten Orten tummelten: am Strand, im Hotel, im schicken Restaurant, bummelnd und shoppend in der Einkaufsstraße sowie auf einem Ausflug nach Tulum oder Chichen Itza. Von dem echten Mexiko, das wir bisher kennengelernt hatten, war nicht mehr so viel übrig. Stattdessen gab’s schicken amerikanisierten Einheitsbrei zu Preisen, die einem schon fast körperliche Schmerzen bereitet haben. Nichtsdestotrotz haben wir die Zeit hier sehr genossen, denn sich über zuviel Luxus zu beschweren wäre noch viel dekandenter als das Leben in dieser Stadt. Und nach so einer langen Zeit in der Ferne wieder vertraute Gesichter zu sehen war ein sehr schönes Gefühl. Dementsprechend verbrachten wir unsere Abende immer mit leckerem Essen, Bier, Cocktails und dem einen oder anderen Tequila.

image

Ralf, Elke und Felix

image

Shopping-Meile

Die drei Tage vergingen wie im Flug. Nach einem entspannten Tag am Strand haben wir einen Ausflug auf die Insel Cozumel unternommen und in Akumal beim Schnorcheln die Bekanntschaft mit Riesenschildkröten, einem Stachelrochen, Tintenfischen, Korallen und anderen bunten Fischen gemacht. Dorthin sind wir ganz mexikanisch mit dem Colectivo gefahren, also einem Kleinbus, den man an der Straße heranwinkt, was für Felix‘ Eltern die erste untouristische Erfahrung war.

image

Schnorcheln in Akumal

An Tag vier ging unsere Rundreise los, also erstmal den Mietwagen abgeholt und unser erstes Ziel angesteuert, die Maya-Stätte Tulum direkt am Meer. Klingt sehr romantisch, ist es aber nur zum Teil. Direkt auf dem Parkplatz werden einem die Optionen für den Besuch der Stätte erläutert (mit Guide, mit Schnorcheltour oder anderen Extras). Wir entschieden uns für „ohne alles“ und erkundeten die Ruinen auf eigene Faust, nur mit einem informativen Buch ausgerüstet, aus dem wir uns gegenseitig Texte zum jeweiligen Tempel vorlasen. Nachdem man sich einen Kilometer bis zum Gelände zwischen Restaurants und Touri-Läden durchmanövriert hat (wir haben einen schönen Cowboyhut für Ralf gekauft), betritt man ein großes Areal mit Touristengruppen aus Cancun oder Playa del Carmen oder Ausflügler von Kreuzfahrtschiffen, die mit lustigen Nummern beklebt sind, damit niemand verloren geht. Trotz der vielen Menschen verlieren die uralten Ruinen nicht ihre Faszination und man versucht sich vorzustellen wie die Mayas hier wohl ihren Alltag verbracht haben.

image

Tulum

image

Übernachtet haben wir in Valladolid, was auch der Ausgangspunkt für unser Ziel am nächsten Tag war, und zwar die Maya-Stätte Cobá. Diese zieht zum Glück nicht so große Touristenmassen an wie Tulum und so konnten wir uns in Ruhe den Ruinen widmen. Sie bestehen aus drei Gebäudegruppen, die jeweils 1-2 km voneinander entfernt sind. Praktischerweise gibt es Fahrradrikschas, die einen für „nur“ fünf Euro dorthin fahren. Das beeindruckendste Gebäude war eine 42m hohe Pyramide, die man erklimmen und von oben über das Gelände blicken konnte. Ansonsten gab es die Maya-typischen Pyramiden, Altäre, Opfersteine, Stelen, religiöse Gebäude, Ballspielplätze und astronomischen Observatorien zu sehen.

image

Ausblick von der großen Pyramide in Cobá

Am nächsten Tag ging unsere Fahrt weiter ins nahe Chichén Itzá, neben Tulum die größte Attraktion in Yucatan. Auch wenn viele Leute sagen, man solle die Stätte wegen der Menschenmassen nicht besuchen, waren wir alle froh nicht auf den Rat gehört zu haben. Die Anlage ist sehr gut erhalten bzw. restauriert, sodass man sie fast genauso wahrnimmt wie ihre Bewohner vor 1000 Jahren (zumindest möchte man das glauben). Am     beeindruckendsten ist die große Pyramide in der Mitte des Areals. Sie ist nicht nur sehr imposant, sie kann auch einen sehr erstaunlichen akustischen Effekt erzeugen. Stellt man sich vor eine der großen Treppen und klatscht in die Hände, kommt ein Laut zurück, der wie ein Vogelzwitschern oder die Saite einer Gitarre klingt. Der Ballspielplatz hier gilt als der größte aller Mayastätten. Das Ballspiel hatte für die Mayas eine sehr große religiöse Bedeutung und gelegentlich wurde nach dem Spiel ein Spieler des Gewinnerteams geopfert.

image

El Castillo in Chichén Itzá

image

Der Ballspielplatz

Die Nacht verbrachten wir in einer Hacienda in der Nähe von Uxmal, unserem Ausflugsziel für den nächsten Tag. Ehrlich gesagt konnte ich mir vorher nicht viel unter einer Hacienda vorstellen, außer dass es eine Art großes altes Gutshaus ist. So ähnlich war es dann auch, ein U-förmiges zweistöckiges Gebäude mit Pool und Garten in der Mitte. Im Haus hat man sehr deutlich den Geist der Vergangenheit gespürt (Königin Elisabeth II und Jacky Kennedy haben auch schon hier genächtigt), was eine schöne Abwechslung zu den anderen Hotels war. Jeden Abend haben die Busse Touristen abgeladen, die dann im Restaurant von einer Mariachi-Band bespaßt wurden. Für uns stand am nächsten Tag die Besichtigung von Uxmal auf dem Programm, einer weiteren Mayastätte, die nicht weniger beeindruckend ist als Chichén Itzá, aber wo man nicht annähernd so viele Leute sieht. Statt Amerikanern gab es hier plötzlich nur noch Deutsche und Franzosen. Jetzt denkt ihr bestimmt „Jeden Tag Mayastätten, ist das nicht immer das Gleiche?“ – ehrlich gesagt hatte ich das auch erwartet, zumindest kennen wir das Phänomen von buddhistischen Tempeln. Der erste ist total beeindruckend, der zweite auch noch, aber spätestens beim fünften fängt man an sich zu langweilen. Bei den Mayas ging uns das aber gar nicht so, weil die Städte alle sehr unterschiedlich aufgebaut und gestaltet sind.

image

Großartige Aussicht über Uxmal

image

Die Wahrsagerpyramide in Uxmal

Nach einer weiteren Nacht in der Hacienda hieß unser Ziel für den Tag Mérida. Neben dem Marktplatz lief gerade ein Gesangswettbewerb für ältere Damen, was bei den Einheimischen anscheinend auf großes Interesse stieß. Wir kauften derweil auf dem Markt Souvenirs und landeten dann in einem deutschen Biergarten, in dem man deutsches Bier für 5 Euro trinken konnte. Am darauffolgenen Tag haben wir eine Cenote besucht, ein großes Kalksteinloch, das mit Süßwasser gefüllt ist. Für die alten Mayas waren sie heilig, heute kann man darin baden. Genau das haben wir auch getan, zusammen mit einigen anderen Touristen und Einheimischen.

image

Gesangswettbewerb für ältere Damen

image

Bei der Speisekarte kam ein bisschen Heimweh auf

image

Cenote in Dzibilchaltun mit erfrischendem klaren blauen Wasser

Damit war unsere Rundreise durch Yucatan schon fast beendet, denn am nächsten Tag ging es zurück an die Ostküste. Auf der Rückfahrt gönnten wir uns aber noch ein Bad in der Grand Cenote mit vielen Schildkröten und einer faszinierenden Unterwasserlandschaft aus Felsen, Stalagmiten und Höhleneingängen.

image

Grand Cenote

Die nächsten drei Tage verbrachten wir Puerto Aventuras in der Nähe von Playa del Carmen – eine komplett künstlich erschaffene Siedlung für reiche Mexikaner, Amerikaner und zwischendrin ein paar Urlauber. Unser kleines Hotel war umgeben von Luxusvillen und dahinter befand sich eine Wasserstraße mit Parkbuchten für die Yachten unserer Nachbarn. Etwas, was man als normaler Backpacker nicht zu Gesicht bekommen würde!

image

Wir und unsere Nachbarn

image

Nach den zwei gemeinsamen Wochen war es für Elke und Ralf Zeit nach Hause zu fliegen und für uns weiterzuziehen, wieder hinein ins Backpackerleben und auf ins nächste Land. Unser Ziel: Belize.

Standard

Chiang Mai

Nach drei Wochen Laos haben wir auf dem Weg nach Bangkok noch vier Tage Zwischenstopp in Chiang Mai gemacht, der zweitgrößten Stadt in Thailand. Chiang Mai ist eine Touristenstadt und bekannt für seine unzähligen Tempel und andere kulturelle Highlights. Nach Laos war es fast ein Kulturschock wieder in einem so entwickelten Land zu sein. Bevor wir uns von Asien verabschieden, haben wir noch zwei Aktivitäten erledigt, die schon lange auf unserer ToDo-Liste standen: Thaiboxen und ein Thai-Kochkurs.

Das Thaiboxen war zwar eine reine Touri-Veranstaltung, aber trotzdem sehr unterhaltsam und interessant. Hier ein paar Bilder:

image

Die beiden sind höchstens 15, aber es ging ziemlich zur Sache (inkl. KO)

image

Bei den Ladies ging es etwas sanfter zu

image

Zur Unterhaltung gab es zwischendurch einen Fun-Kampf, bei dem die fünf Teilnehmer mit verbundenen Augen ins Leere boxen bis sie zufällig jemanden treffen.

image

Im Finale haben ein Thailänder und ein Franzose gegeneinander gekämpft. Ersterer hatte leider keine Chance

Zugegeben, der Thai-Kochkurs war etwas mehr nach meinem Geschmack (ohne Blut und halb bewusstlose Männer). Zuerst haben wir Padthai gekocht, dann Frühlingsrollen und scharfen Papayasalat und zum Schluss vier verschiedene Thai-Currys.

image

image

Mein erster selbstgemachter Papayasalat

image

Daraus wird gleich rotes und grünes Thaicurry sowie Massaman- und Panang-Curry

image

Nach 15 Minuten Stampfen ...

image

Tadaaaa! Das ganze wird mit Kokosmilch und Gemüse im Wok zubereitet.

image

Na dann n‘Gudn!

Das wird auf jeden Fall zu Hause nachgekocht!
Viele Grüße,
Anne

Standard

Laos

Laos? Wo liegt eigentlich Laos und was macht man da? Das haben wir uns vor einigen Monaten auch gefragt. Wenn man eine Rundreise durch Südostasien macht, kommt man fast nicht drumherum auch Laos zu besuchen. Wir hatten auch so schon viel Gutes über das Land gehört (naja, hauptsächlich, dass es noch nicht so touristisch ist wie seine Nachbarländer), deswegen freuten wir uns nach Vietnam und im speziellen der sehr touristisch aber auch schönen Ha Long Bay wieder auf ein usprünglicheres und unberührteres Land. So stiegen wir also in Ha Long Stadt in den Bus nach Than Hoa (Vietnam), übernachteten dort und nahmen am nächsten Tag den Direktbus über die Grenze nach Vieng Xay (Laos). Am Abend vor der Fahrt waren wir etwas nervös, da wir im Internet Horrorgeschichten über horrende Preise für Touristen, überfüllte Busse und 16 stündige Busfahrten gelesen hatten. Hinzu kam auch noch, dass Felix am gleichen Abend gemerkt hatte, dass er keine Passfotos mehr für das Visum hatte. Aber mit Hilfe von Google translator und dem netten Hotelpersonal konnte das Problem zügig gelöst werden.

Am besagten Morgen kreuzten wir eine Stunde vor Abfahrt am Busbahnhof auf und stellten fest, dass wir uns umsonst Sorgen gemacht hatten. Im Bus saß bereits ein anderer Tourist, der schon den Fahrpreis in Erfahrung gebracht hatte. Dieser lag zwar mit 12 Euro weit über dem der Einheimischen, war aber noch vertretbar. Wir sicherten uns zwei der ca. 14 Sitzplätze und gönnten uns zum letzten Mal eine vietnamesische Nudelsuppe zum Frühstück. Während der Fahrt in dem mit Reissäcken, Ersatzteilen und anderen Gütern bepackten Bus lernten wir den Chilenen Nicolás näher kennen, mit dem wir die nächsten Tage verbringen sollten. Die Einreise nach Laos über den sehr selten von Touristen benutzten Grenzübergang war kein Problem, nachdem Nicolás die Gebühr für das Visum von 45 USD auf 37 USD ‚runter gehandelt‘ hatte. Die Gebühr für das Visum sollte eigentlich 30 USD sein aber darauf konnte man sich nicht einigen.

Vieng Xay
Nach der 9 stündigen Busfahrt sind wir abends in Vieng Xay angekommen und haben uns zusammen mit Nicolás auf die Suche nach einem Hotel gemacht. Am nächsten Tag haben wir uns die einzige Sehenswürdigkeit des Ortes angeschaut, um das Dorf herum verteilte Höhlen, die in den steil aufragenden Kalksteinfelsen zu finden sind. In diesen haben sich die Dorfbewohner und vor allem die kommunistische Regierung von Laos während des Vietnamkrieges vor den neun Jahre andauernden Bombardierungen der Amerikaner geschützt. Der Grund der Bombardierungen war die Unterbindung der Versorgungswege (Ho-Chi-Minh-Pfad) für die Vietcong im Süden Vietnams und die Bekämpfung der kommunistischen Regierung in Laos. Die Führung unternahmen wir zusammen mit Nicolás und 4 weiteren Touristen. Für die Tour haben wir einen Audioguide bekommen, wo bei manchen die Stoptaste nicht funktionierte, der Kopfhöreranschluss einen Wackelkontakt hatte oder nur eine Seite der Kopfhörer ging (irgendwas ist halt immer). Die Tour durch den Ort von Höhle zu Höhle bestritten wir auf Kinderfahrrädern, außer Felix, dessen Fahrrad gleich am Anfang schlapp gemacht hat und so durfte er bei unserem Guide auf dem Moped mitfahren. Ansonsten war die Tour aber sehr lehrreich, man lernte etwas über den ‚geheimen Krieg‘ der Amerikaner in Laos und wie die Leute ihren Alltag während der täglichen Bombardierungen meisterten.

image

In dieser Höhle befand sich der Regierungssitz und die Wohnung des Präsidenten

image

Ja, das ist die Toilette

Phonsavan
Am nächsten Tag ging es mit dem lokalen Bus von Sam Neua nach Phonsavan weiter. Zum Glück waren wir wieder eine Stunde vor Abfahrt am Busbahnhof, denn der Busfahrer hatte sich überlegt einfach eine halbe Stunde früher loszufahren. Die gewonnene Zeit wurde aber gleich wieder zunichte gemacht, da der Busfahrer viermal angehalten hat, damit die Fahrgäste die am Straßenrand angebotenen Bambuswurzeln und anderen Reiseproviant erwerben konnten (wovon diese auch regen Gebrauch gemacht haben).

image

In Phonsavan liehen wir uns am nächsten Tag ein Moped aus und besuchten mit Nicolás die ‚Ebene der Tonkrüge‘. Dabei handelt es sich um bis zu 3 Meter große Steinkrüge, die ca. 2000 Jahre alt sind und über die man ansonsten nicht viel weiß, außer dass sie vermutlich als Urnen verwendet wurden. Auch weiß man nichts über die Menschen, die diese Tonkrüge herstellten. Das einzige was man weiß ist, dass diese riesigen Krüge an dutzenden Plätze vertreten sind und 3 davon für Touristen seit ca. 10 Jahren zugänglich sind.

image

image

Ein weiterer großer Aspekt an Phonsavan und der ganzen östlichen Provinzen Laos sind die so genannten UXO, unexploded objects, wie zum Beispiel riesige Bomben bis hin zu kleinen Splittergranaten. Die Hinterlassenschaften davon sind allgegenwärtig, genauso wie Museen darüber und Organisationen, die diese beseitigen und entschärfen. Man muss sich vorstellen, dass dort täglich 9 Jahre lang Bombardierungen stattgefunden haben und in der Zeit mehr Bomben als im Zweiten Weltkrieg fallen gelassen worden sind

Vang Vieng
Nach so viel Kultur und Geschichte haben wir uns auf den Weg in die Partyhauptstadt von Loas gemacht. Leider haben einige Einheimische die kurvige Busfahrt durch die Berge nicht so gut vertragen und die ganze Fahrt über in ihre Plastiktüten… na ihr wisst schon.
Vang Vieng ist vor allem bei Australiern wegen des sogenannten Tubing äußerst beliebt. Theoretisch ist es ein sehr harmloses Vergnügen, bei dem man sich auf einem großen LKW-Schlauch einige Kilometer den Fluss hinunter treiben lässt. In der Praxis war es aber bis vor ein paar Jahren ein großes Besäufnis mit anschließendem Tubing. Auf den ersten hundert Metern kann man noch in vielen weiteren Bars anhalten, die meisten wurden aber vor einigen Jahren geschlossen, nachdem 2011 fast 30 Touristen beim Tubing ums Leben gekommen waren.
Wie es der Zufall wollte, waren wir ausgerechnet am australischen Nationalfeiertag an der Bar am Startpunkt und ca. 50 junge Australier taten genau das, was laut Medienberichten eigentlich nicht mehr existieren sollte: um 11 Uhr ging es von 0 auf 100 los mit Trinkspielen und Mixgetränken aus Eimern. Vor zehn Jahren hätten wir uns ihnen vielleicht angeschlossen, aber mit zunehmender Reife können wir dem inzwischen nichts mehr abgewinnen… Also schnappten wir uns nüchtern unsere Reifen und marschierten runter zum Fluss, wurden aber noch von dem australischen Barbetreiber gewarnt, wir würden eine „crazy party“ verpassen und ganz einsam und alleine ohne besoffenes Partyvolk den Fluss hinabtreiben. Genau so haben wir es dann auch gemacht und haben uns ganz entspannt drei Stunden treiben lassen und die tolle Landschaft genossen, von der die „Aussies“ garantiert nichts mitbekommen haben.

image

Luang Prabang
Die nächste Station war Luang Prabang, eine hübsche Touristen- und ehemalige Königsstadt mit unendlich vielen Tempeln und französischem Flair (dementsprechend auch mit vielen Franzosen). Hier haben wir uns etwas Entspannung gegönnt und einen Tagesausflug zum Kuang Xi Wasserfall gemacht, eindeutig der schönste Wasserfall bisher!

image

image

Was man hier auch miterleben kann ist der morgendliche Bettelgang der Mönche. Kurz vor Sonnenaufgang laufen sie durch die Straßen und nehmen Spenden von Einheimischen an (Reis, Obst usw.). In der Praxis sieht es aber so aus, dass das Ritual von überwiegend asiatischen Touristen kaputt gemacht wird, die unbedingt daran teilnehmen wollen, aber den nötigen Respekt vermissen lassen. So wird z.B. darum gebeten sich im Hintergrund zu halten und auf keinen Fall die Mönche mit Blitzlicht zu fotografieren. All das wird aber ignoriert (man will ja schließlich ein gutes Foto haben) und so kommt man sich vor wie im Zoo bei der Pinguin-Fütterung.

image

Unser Aufenthalt hat sich dann noch unfreiwillig um einen Tag verlängert, weil der Busfahrer vergessen hat uns vom Hotel abzuholen. Aber alles halb so wild, wir haben herausgehandelt, dass uns eine weitere Übernachtung bezahlt wird und haben noch einen schönen Tag in Luang Prabang verbracht.

Luang Namtha
Die schrecklichste Busfahrt und mit knapp 9 Stunden auch eine nicht gerade kurze Fahrt haben wir nach Luang Namtha in einem Minivan verbracht. Die Fahrt führte uns weiter durch die Berge in den Norden von Laos. Es waren aber nicht die zahlreichen Kurven oder das auf und ab, vielmehr war das schlimme daran, dass 90 % der Strecke durch eine einzige Baustelle führte. Diese Baustelle darf man sich nicht wie bei uns mit Ampeln und geregeltem Verkehr vorstellen, sondern vielmehr dass man einfach direkt in die Baustelle reinfährt, ohne Absperrung oder ähnliches. Da muss man schonmal 20 Minuten warten, bis der Bagger fertig gebaggert hat.

image

Und da es natürlich auch schnell gehen musste konnte der Fahrer auch nicht allen Schlaglöchern ausweichen. Zudem kam noch, dass wir ganz hinten im Minivan saßen und diese Plätze im allgemeinen aufgrund der „guten“ Federung gemieden werden. So saßen wir also nicht die ganze Zeit auf unseren 4 Buchstaben sondern wurden auf und ab und von rechts nach links geschleudert. Weiterhin war die ‚Straße‘ auch noch so staubig, dass man das Fenster nicht immer offen haben konnte und es dadurch auch noch super heiß war. Klimaanlage? Ja, aber die hat das nicht ansatzweise geschafft. Wir haben uns sogar zeitweise gefragt, ob wir vielleicht aus Versehen statt einem Busticket Karten für einen Rallye Grandprix gekauft haben. Als wir endlich in Luang Namtha ankamen und beim Abendessen saßen, konnten wir immer noch das auf und ab im Kopf fühlen.
Ein positiver Aspekt war jedoch, dass uns die Reise mit den anderen Mitfahrern zusammengeschweißt hat. Da wir ohnehin alle nach Luang Namtha gekommen waren um eine Dschungelwanderung zu machen, haben wir beim Abendessen kurzerhand beschlossen die Tour zusammen zu machen. Außer uns beiden waren das noch ein weiterer Deutscher, ein kanadisches Pärchen und einer Malaysierin. Zu unser Wandergruppe haben sich dann noch eine Chinesin, ein Kanadier und eine Australierin gesellt. Am nächsten Tag haben wir die Angebote der verschiedenen Anbieter verglichen und am Ende unsere eigene Tour zusammengestellt.
Am ersten Tag ging es ein paar Stunden durch den Dschungel, vorbei an zwei Dörfern, wo wir das einfache Leben der Einheimischen beobachten konnten. Als Mittagessen wurden uns Reis, Omelette und Gemüse auf einem großen Bananenblatt serviert und alles mit den Händen gegessen. Gegen 17 Uhr erreichten wir unser Lager am Fluss, wo wir gebadet haben und den Abend mit Kartenspielen und einem Liter Reisschnaps verbrachten. Im Gegensatz zu unserer Tour in Kambodscha gab es hier sogar eine Holzhütte mit Betten aus einem Bambusgestell, das mit einem Reissack bespannt war.

image

Mittagessen!

image

Wir werden im Dorf einer ethnischen Minderheit mit Taschen und Armbändern empfangen.

image

Am nächsten Tag sind wir vormittags ein paar Kilometer mit dem Kanu gefahren und nach dem Mittagessen auf einen Berggipfel gestiegen, von wo aus wir den Sonnenuntergang beobachten konnten. Nach einer weiteren Nacht in einem Camp ging es dann wieder den Weg hinunter und zurück in die Stadt. Die von uns zusammengestellte Wanderung war dann doch sehr anspruchsvoll und wir waren alle froh wieder in einem komfortablen Hotelzimmer zu schlafen.

image

K.O. und glücklich nach 3 Tagen Dschungel

Laos ist in der Hinsicht sehr bemerkenswert, dass die Touristenstädte Luang Prabang und Vang Vieng, die mit vielen westlichen Annehmlichkeiten daherkommen, in einem sehr krassen Gegensatz zum Rest des Landes stehen. Außerhalb dieser verwestlichten Orte gibt es (mit Ausnahme der Hauptstadt Vientiane) ausschließlich kleine Städte und Dörfer mit geringer Infrastruktur, d.h. Straßen, Gesundheits- und Bildungssystem sind in einem sehr wenig entwickelten Zustand. Industrie und Dienstleistungsunternehmen gibt es so gut wie gar nicht. Deshalb war es für uns umso interessanter zu sehen wie das Leben in einem so armen Land funktioniert. Abgesehen von der tollen Landschaft hat man hier noch die Möglichkeit ein Land kennenzulernen, in dem die touristischen Pfade noch nicht so ausgetreten sind wie z.B. in Thailand oder Vietnam und man die Chance hat die Menschen in ihrer traditionellen Lebensweise zu beobachten.

Viele liebe Grüße,
Anne und Felix

Standard

Vietnam

Nach einer für euch sehr langen Durststrecke melden wir uns aus der 9491 km entfernten laotischen Partyhauptstadt Vang Vieng zurück um euch Bericht zu erstatten was wir in Vietnam all die Wochen so getrieben haben.

Ho Chi Minh City (Saigon) und das Mekong Delta

Saigon, die alte Hauptstadt des Südens besticht vor allem durch den sehr dichten Verkehr und eine schiere Unendlichkeit an Mopeds, die sich wie in Schwärmen durch die Straßenschluchten ihren Weg bahnen. In der Kneipenstraße wird bis in die Morgenstunden Bier vom Fass bis runter auf 20 cent ausgeschenkt. Weiterhin findet man hier wie fast überall im Land Museen über den Vietnamkrieg. Wir haben den Wiedervereinigungspalast besucht, der früher von den Südvietnamesen als Regierungspalast genutzt wurde und heute ein Museum ist und teilweise noch für offizielle Empfänge genutzt wird. Im Kriegsmuseum wird hauptsächlich die eine böse Seite der Amerikaner dargestellt, die mit Napalm, Phosphor Bomben und auch Dioxin oder Agent Orange hier gekämpft haben und die Bevölkerung in der dritten Generation teilweise immer noch davon noch betroffen ist (in Form von Missbildungen). Ansonsten waren wir wie immer cachen, über die Märkte und durch die engen Gassen schlendern und haben Weihnachten hier verbracht. Weitere spektakuläre Sehenswürdigkeiten gibt es hier eher weniger zu sehen, dafür ist es schon ein Abenteuer hier am Straßenverkehr teilzunehmen und lebend über die Straße zu kommen.

image

Mopeds, Mopeds, Mopeds

image

Nachtleben

Von Saigon aus haben wir einen zweitägigen Ausflug ins Mekongdelta gemacht, der sich ziemlich schnell als Kaffeefahrt herausstellte. Es begann ganz harmlos mit einer Busfahrt und einem ersten Stopp an einer Behindertenwerkstatt, wo (angeblich) Opfer aus dem Vietnamkrieg arbeiten. Außer einem eingestaubten Rollstuhl am Eingang wies allerdings nichts auf behinderte Menschen hin. Dafür war der Verkaufsraum umso riesiger und gefüllt mit bunter Keramik.
In den zwei Tagen haben wir verschiedene Inseln im Mekong besucht, wo man sehen konnte wie bestimmte Spezialitäten der Region hergestellt werden, darunter Süßigkeiten aus Kokosnuss, Honig, Reisnudeln und gegrillte Frösche und Schlangen. Jede Viertelstunde wurde eine neue Bootsladung Touristen durchgeschleust und natürlich konnte man alle Erzeugnisse und weiteren Touristenkram zu überteuerten Preisen kaufen. Echtes Kaffeefahrt-Feeling, nur ohne Rheumadecken.
Ein echtes Highlight war aber der Homestay, d.h. man übernachtet im Haus einer vietnamesischen Familie. Es gab selbstgekochtes Essen und wir haben jede Menge über das Alltagsleben und die Pomelofarm der Familie erfahren.

image

So stellt man übrigens Reispapier her

image

Obligatorisches Schlangenfoto

image

Unser Gastgeber

Mui Ne
In Mui Ne haben wir zwei Tage verbracht. Sie begangen damit, dass sich unsere Buchung über booking.com als überflüssig herausstellte. Als wir an der Unterkunft ankamen, wurden wir mit einem freundlich ‚full‘ und ’no free rooms‘ begrüßt. Das war aber auch das einzige was die ältere Frau an englisch drauf hatte. Auch meine Erklärungen und das zeigen meiner Buchung war nicht von Erfolg, anstatt dessen drehte sie uns ganz höflich den Rücken zu und guckte weiter TV. Also ging es der einzigen Straße entlang auf der Suche nach einem Zimmer. Nach erfolgreicher Suche und einer erholsamen Nacht wurden wir um 12 Uhr aus dem Bett geholt mit einem netten ‚check out please‘. Ja man hatte uns wohl vergessen zu sagen, dass wir nur eine Nacht bleiben können. Also wieder auf Zimmersuche, konnten uns aber erinnern, dass es auch dorm (Schlafsaal) Betten im gleichen Guest House gab, also nach einer Nudelsuppe wieder zurück und pro Nacht für knapp 3 Euro ein Bett genommen.
Jetzt konnten wir auch die Umgebung erkunden und besuchten eine überbewertete Sanddüne und einen netten kleinen Fluss durch eine nette Schlucht. An der Sanddüne gab es Quads zu leihen und wenn man das wie wir nicht tat konnte man trotzdem nicht die Faszination dieser Laune der Natur genießen, da man nur das laute Motorengeräusch der vielen Quads hörte. Aber war trotzdem schön. Weiterhin besticht Mui Ne unter den Freunden der Drachen (kite surfing) und Segel (Windsurfing) Sportarten durch seine steife Brise, die hier weht.
image

image

Fischerdorf in Mui Ne

Nha Trang
Über Nha Trang hätten wir uns mal besser informieren sollen, denn es besticht durch einen zugebauten Strand, Hotelburgen und vor allem Flugzeugladungen von russischen Pauschaltouristen.
Da wir an Silvester dort ankamen, haben wir uns auf die Suche nach einer angemessenen Party gemacht. Das stellte sich aber als nicht so einfach heraus, denn zumindest um Mitternacht war in unserer Bar tote Hose und es gab weder Feuerwerk noch Sekt, dafür aber einen Kuchen. Also haben wir uns auf die Suche nach etwas mehr Action gemacht und sind zum Strand gelaufen. Dort wurden wir auch nicht wirklich fündig, haben aber einen Franzosen, Gaël, kennengelernt, mit dem wir nach zwei Bier am Strand noch in eine Bar weitergezogen sind, inklusive lauter Musik und jeder Menge Gin Tonics. Es wurde also doch noch eine lustige Silvesterparty aus dem Abend.
Die nächsten Tage haben wir zum Ausruhen genutzt und eine Tagestour in die vietnamesische Provinz unternommen, dieses mal aber ganz ohne andere Touristen. Wir haben probiert selber Räucherstäbchen herzustellen und haben gesehen wie man Reisschnaps herstellt (wovon wir natürlich auch kosten mussten). Außerdem haben wir einen Markt besucht und bei einer Familie zu Hause Mittag gegessen.

image

Zu viel Reisschnaps vor dem Mittagessen


image

Frisches Fleisch!

image

Felix‘ erstes selbstgemachtes Räucherstäbchen

Hoi An
Hoi An besitzt im Gegensatz zu Nha Trang sehr viel Charme mit all seinen hübschen Straßen, bunten Laternen und versteckten Tempeln. Ein wenig inszeniert wirkte es, aber darüber muss man in einer Touristenstadt eben hinwegsehen. Wir haben uns hauptsächlich mit dem Fahrrad fortbewegt, was auch das Abwimmeln der Verkäufer erleichtert hat, die einem alle fünf Meter versuchen wahweise Süßigkeiten, Obst, Schmuck oder anderen Nippes anzudrehen. Weiterhin ist Hoi An auch berühmt für seine Handwerksbetriebe, bei denen man sich alles auf den Leib schneidern lassen kann. Für Anne gab es hier ein paar Sandalen.
image

Hue
Hue ist vor allem als alte Königsstadt bekannt, weswegen wir hauptsächlich wegen der Zitadelle, der früheren Königsresidenz, sowie der prachtvollen Königsgräber gekommen sind. Von den Gräbern haben wir euch im letzten Beitrag schon erzählt. Die alte Residenz mit Zitadelle erstreckt sich über eine sehr große Fläche und ist leider durch die Bombardierung im Vietnamkrieg teilweise zerstört. Nach einem halben Tag Besichtigung waren wir platt und die Füße schmerzten wie nach einem vollen Tag in Angkor. Die Abende in Hue verbrachten wir in Bars bei einem Feierabendbier mit zwei 18jährigen deutschen Mädels aus unserem Hostel, die die klassische Reise-nach-dem-Abi machten.
image

Phong-Nha-Nationalpark
Der Phong-Nha Nationalpark ist erst seit ungefähr 4 Jahren für Touristen erschlossen und ist für seine beeindruckenden Höhlen bekannt. Wir besuchten am ersten Tag die Phong-Nha Cave und die Tien Son Cave. Wenn man sie zum ersten Mal betritt, fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Neben diesen einfach zugänglichen Höhlen kann man auch Touren in die angeblich größte Höhle der Welt buchen, ein 7tagiger Trip für knapp 3000 USD. Etwas spezieller war der Besuch der Dark Caves. Um zur Höhle zu gelangen mussten wir per zip line über den Fluss „schweben“ und dann in die Höhle schwimmen. Diese ist nicht beleuchtet, das hieß die Lampen auf den Helmen anschalten. Dann ging es in einen Seitengang hinein, der zu einem natürlichen Schlammbad führte. Dieses Schlammbad war eine tolle Erfahrungen. Auf dem Weg dahin versuchte man sich nicht schmutzig zu machen, aber einmal im Becken angelangt, gab es kein Halten mehr und wir haben versucht zu schwimmen und uns mit den anderen Leuten eine Schlammschlacht geliefert. Sehr faszinierend war vor allem, dass man wie im schwarzen Meer komplett oben schwimmt.
Als Unterkunft hatten wir uns ein Partyhostel ausgesucht, sodass wir jeden Abend mit Leuten aus der ganzen Welt am Feuer saßen, Bier tranken und Geschichten austauschten. Danach war uns nach Erholung zumute, aber daraus wurde nichts.

image

Phong-Na Cave

image

image

Hostel-Romantik

Hanoi
Mit dem Nachtbus sind wir nach Hanoi gefahren und haben bei Gaël übernachtet, der in Hanoi wohnt und uns netterweise in sein WG-Haus eingeladen hat. Die größte Attraktion ist wohl das Ho Chi Minh Mausoleum. Der Anführer der kommunistischen Revolution liegt friedlich in seinem Glaskasten und wird einmal im Jahr nach Moskau gebracht um dort die Konservierung zu erneuern. Wenn man sich in dem Raum befindet, darf man keine Fotos machen, nicht reden, nicht stehen bleiben und auch nicht die Hände in die Taschen stecken. Man weiß ja nie was die Touristen im Schilde führen… Außerdem kann man sich die bescheidene Bleibe und den Koi-Teich von Onkel Ho anschauen.

image

Hier ruht Onkel Ho

Ganz nett anzuschauen war auch das vietnamesische Wasserpuppentheater, bei dem Puppen im Wasser traditionelle Motive wie „Bauern arbeiten im Reisfeld“ und „Drachenkampf“ darstellen. Toll ist auch das Old Quarter, in dem sich ein vollgestopfter Laden an den anderen reiht und jede Straße einer anderen Ware gewidmet ist. Man kann sich wunderbar in einem Straßencafé niederlassen, Nudelsuppe essen und die überladenen Mopeds beim Vorbeifahren beobachten. Mit Gaël und seinen Mitbewohnern haben wir abends einige Bars, Beer Corners und sogar einen Club mit Berliner DJ besucht.
image

image

Na klar kann man das mit dem Moped transportieren!

Ha Long Bay
Dieses berühmte Wahrzeichen von Vietnam war unsere letzte Station und vielleicht die beeindruckendste. Wir entschieden uns dafür einen Tagesausflug mit dem Boot inkl. Touri-Bespaßung mit Kajak fahren und Höhlenbesichtigung. Die Schönheit der Bucht mit ihren steilen Bergen spricht für sich selbst und gehört zu Recht zum UNESCO Weltnaturerbe. Aber seht selbst:
image

image

image

Unser Fazit zu Vietnam?
Das Land hat definitiv viele Highlights zu bieten, wenn auch manchmal mit kleinen Makeln, ist aber auf jeden Fall eine Reise wert.
Bis zum nächsten Bericht!
Felix und Anne
image

Standard